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Friedensforum Duisburg:

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Christian Uliczka, Friedensforum Duisburg 

Ansprache zur Protestkundgebung am Samstag, 
22. März 2003 
am Lebensretter-Brunnen in Duisburg

Es gilt das gesprochene Wort

Mit der ganzen Kraft 
der Regierung auf die Füße treten

Christian Uliczka

->> weitere Bilder
von der Demo am
22. März 2003

Liebe Leute im alten Europa,

übermorgen, am 24. März, wird es vier Jahre her sein, daß die von USA dominierte NATO, in frecher "Selbstmandatierung" und unter willigem Mitmachen des rotgrün regierten Deutschland, hinter einem Rauchvorhang von Lügen Jugoslawien zu bombardieren begonnen hat. Gestern, pünktlich zu Frühlingsanfang, haben die USA ihre mörderische Bomben- und Raketenmaschinerie gegen den Irak voll aufgedreht. Schon wieder verderben die Menschenfeinde einen Frühling mit Vernichtung, Tod und massenhaftem Elend.

Und sie ergötzen sich an dem Schlagwort "Schock und Schrecken", das sie sich für diese Barbarei haben einfallen lassen. Sie merken nicht einmal, daß sie sich damit rühmen, Terroristen zu sein!

Aber der Chefredakteur der WAZ schreibt, gleichfalls gestern, wir hätten keine Wahl, als uns auf Bushs Seite zu stellen.

Im Sinne der vielen Millionen, die am 15. Februar weltweit für den Frieden auf die Straße gegangen sind, und der ganzen Friedensbewegung ist dazu dreierleich festzuhalten:

Erstens Die US-Aggression gegen den Irak ist ein offener Bruch des Völkerrechts
Zweitens Was Bush und seine Spießgesellen gegen den Irak betreiben, ist ein seit den Nürnberger Prozessen unbestritten strafbarer Angriffskrieg. Deshalb müßten sie, ginge es in der Welt mit rechten Dingen zu, vor dem Internationalen Strafgerichtshof als Kriegsverbrecher zur Rechenschaft gezogen werden
Drittens Wir verurteilen die Bush'sche Kriegsversessenheit und stehen an der Seite der gequälten Menschen im Irak.

Ich geb' zu, daß das denen wenig helfen wird. Wir müssen schon auch etwas tun.

Und zwar mit unserer ganzen Kraft der eigenen Regierung auf die Füße treten. Wir müssen sie daran hindern, sich so lauwarm aus der Affäre zu ziehen, wie sie das bis jetzt versucht.

Klar hat sie unseren Respekt für ihr frühzeitiges deutliches Nein zu dem Krieg, ohne daß der Sicherheitsrat sich wohl doch von den USA hätte unterbuttern lassen.

Aber die ganzen Halbheiten! Sie drohen den epochalen Lerneffekt zu schwächen, daß man mit entschiedenem Widerstand auch die Weltmacht isolieren kann.

Damit daß sie einerseits Nein zum Krieg sagt, sich andererseits aber davor drückt, die US-Aggression gegen den Irak als völkerrechtswidrig zu beurteilen, dürfen wir die Regierung nicht durchkommen lassen. Wir müssen sie zwingen, nach A auch B zu sagen, d.h. vorbehaltlos zuzugeben, daß die USA einen Angriffskrieg führen, und daraus die Konsequenzen zu ziehen.

Das Grundgesetz, Art. 26, verbietet schon das Vorbereiten eines Angriffskriegs, erst recht natürlich das Mitmachen. Keine angebliche Bündnisverpflichtung kann die Bundesrepublik, einen seit dem Zwei-plus-vier-Vertrag souveränen Staat, zum Verstoß gegen die eigene Verfassung zwingen.

Also sofort

den USA die Überflugrechte entziehen
Schluß machen mit dem Bewachen amerikanischer Kasernen durch die Bundeswehr
die in der Türkei stationierten Awacs-Besatzungen zurückziehen
das Aufstocken der Besatzungen von Fuchs-Spürpanzern in Kuwait unterlassen und die bisherige Notbesatzung abziehen

Wir dürfen nicht locker lassen, diese Selbstverständlichkeiten zu fordern!

Nebenbemerkung: was sollen eigentlich die ganzen US-Stützpunkte noch in unserem Land??

Darüber hinaus wäre es natürlich - aber es geht halt nicht mit rechten Dingen zu in der Welt - folgerichtig, wenn die für das Nein zur US-Aggression stehenden Staaten den Sicherheitsrat in umgekehrter Richtung, gegen den US-Kriegsangriff, in Stellung brächten. Nur fehlt ihnen dazu leider, noch, der Mut.

Auf längere Sicht werden wir im "alten Europa" freilich nicht umhinkommen, uns von der Vorstellung zu lösen, es gebe zwischen Europa und den USA so etwas wie eine "Wertegemeinschaft". Andererseits ist es Zeit, daß wir das Trugbild eines militärischen Gleichziehens mit den USA verwerfen. Statt uns durch Rüstungsausgaben zu schwächen, sollten wir Europäer uns, während Amerika seine kraft im "Kampf gegen den Terrorismus" vergeudet, auf die wirtschaftlichen und sozialen Probleme unserer Gesellschaften konzentrieren. Das ist das Rezept, sich gegen US-Allmachts-Ideen zu behaupten.

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Bilder von der Friedensdemo am 22. März 2003 in der Duisburger Innenstadt
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Fotos: 
Hanna Ackermann

 

 

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