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Christian Uliczka
Lesermeinung - zum Kommentar "Bush führt Krieg" von Uwe Knüpfer in der WAZ vom 21. März 2003

Empörender Unsinn

Sehr geehrte Damen und Herren,

daß wir keine Wahl hätten, als uns auf Bushs Seite zu stellen, ist empörender Unsinn. Mit den Millionen Mitmenschen, die am 15. Februar weltweit für den Frieden auf die Straße gegangen sind, stehe ich an der Seite der Menschen im Irak, der Opfer eines das Völkerrecht brechenden Angriffskriegs.

Christian Uliczka, Mülheim an der Ruhr

* * *

WAZ, 21. März 2003
KOMMENTAR: Bush führt Krieg

"Operation Irakische Freiheit"

Bush führt Krieg

Von Uwe Knüpfer
Man kann auf falschen Wegen zum richtigen
Ziel gelangen. Den Krieg gegen Saddam Hussein
zu verurteilen heißt nicht, Saddam zu
unterstützen. Es tut gut, Tyrannen stürzen zu
sehen.

Den hunderttausenden, die am Donnerstag für
Frieden demonstrierten oder beteten, dürfte
nichts ferner liegen, als Saddams Greueltaten
verharmlosen zu wollen. 

Dieser Mörder und Psychopath ist vor vielen
Jahren mit Billigung der USA und der Europäer
an die Macht gekommen. Amerikaner und Europäer
haben lange Zeit mit ihm gerne Geschäfte
gemacht, obwohl nie ein Zweifel an der Art
seines Charakters bestand. Er war zwar, wie
ein US-Diplomat es ausgedrückt hat, ein
"Bastard, aber unser Bastard". Saddam machte
sich aus westlicher Sicht nützlich, indem er
den fundamentalistisch regierten Iran in einen
langen, blutigen Krieg verwickelte.

In Washington dachte man damals eben
"geopolitisch", nicht moralisch. Die USA
wollten die Mullahs in Teheran schwächen - und
sich rächen für den Sturz des Schahs und die
Geiselnahme in der Teheraner US-Botschaft.

Noch 1991 nahmen die USA Saddam zwar das von
ihm überfallene Kuwait wieder ab, der Vater
des jetzt amtierenden Präsidenten schreckte
aber davor zurück, Saddam zu jagen. Geopolitik
hatte Vorrang vor Moral, erneut. Die
Stabilität der Grenzen in Nahost wurde
wichtiger genommen als die Wohlfahrt der von
Saddam unterjochten Menschen. Dieser
Pragmatismus der USA kostete tausende von
Oppositionellen im Irak das Leben. Sie hatten
auf Bush senior und den Sturz Saddams gesetzt.
Der übte furchtbare Rache.

Aus guten Gründen fällt es heute vielen
Menschen schwer zu glauben, dass Bush junior
wirklich nichts anderes im Sinn hat als die
Befreiung des irakischen Volkes und die
Demokratisierung der arabischen Welt. Bush
wird noch beweisen müssen, dass es ihm um
Moral geht, nicht um Geopolitik. Wer wird nach
dem Sturz Saddams über Iraks Ölquellen
verfügen? Wer wird in Bagdad regieren?

Entscheidend wird auch sein, ob die neue
Betonung der Menschenrechte allen Bewohnern
des Nahen Ostens zu Gute kommen wird, ohne
Ansehen von Herkunft und Religion.

Es wäre verheerend, erwüchse aus den
Angriffen auf die Taliban in Afghanistan und
nun auf Saddam ein Krieg zwischen Orient und
Okzident, zwischen christlich-jüdischer und
islamischer Welt. Einen solchen Krieg
anzuzetteln, war das erklärte Ziel der
Attentäter des 11. September. Sie hätten ihr
Ziel mit Hilfe Bushs erreicht.

Deshalb sollte der US-Präsident den Europäern
dankbar sein, die seinen Krieg verurteilen.
Sie machten vor aller Welt deutlich, dass der
Angriff auf Bagdad eben nicht Teil eines
Kreuzzugs des Westens gegen den Osten ist. Für
die Ohren vieler Moslems mag diese Bekundung
glaubwürdiger klingen als die gestrige
Erklärung des US-Verteidigungsministers
Rumsfeld, dieser Krieg richte sich "ganz
sicher" nicht gegen eine Religion.

Bush führt Krieg und wirkt deshalb stark.
Doch Herr des Geschehens war er nur, so lange
er drohte. Jetzt hat er sich den Generälen und
dem Zufall ausgeliefert. Noch kein Krieg der
Weltgeschichte lief so ab, wie Politiker und
Generalstäbe ihn sich ausgemalt haben. Wo
Generäle den Ton angeben, hat Politik versagt.
Immer.

Saddam kam gewaltsam an die Macht. Auf Gewalt
und Angst beruhte sein Regime. Gewalt beendet
sein Regime. So mag Saddam Gerechtigkeit
widerfahren. Doch welche Lehre werden die
Menschen im Nahen Osten daraus ziehen? Die
Lehre, dass die Stärke des Westens auf Werten
beruht wie Freiheit, Toleranz und
Gleichberechtigung? Oder die ihnen mehr als
vertraute Lehre, dass der Starke sich dem
Stärkeren zu beugen hat?

Demokratie ist Konfliktlösung mit friedlichen
Mitteln. Dennoch gibt es Situationen, in denen
Demokraten Krieg führen müssen, weil
Demokratie sonst nicht überleben würde. Bush
behauptet, eine solche Situation sei nun
gegeben gewesen. Wir glauben das nicht - und
haben keine Wahl, als uns auf seine Seite zu
stellen. Wohin sonst? Auf Saddams Seite ist
kein Platz für Demokraten.

--> Empörender Unsinn: Kommentar von Christian Uliczka, Friedensforum Duisburg

 

 

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