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Von der anderen Front: Israel/Palästina

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junge welt, 7. April 2003

Besuchsempfehlungen
Vor seiner dreitägigen Nahost-Reise: 
Offener Brief an Joseph Fischer
Außenminister Joseph Fischer (Grüne) reist am heutigen 7. April für drei Tage in den Nahen Osten. Fischer will mit hochrangigen Vertretern der neuen israelischen Regierung und der Palästinensischen Autonomiebehörde sprechen, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. Dabei sind Gespräche mit Israels Premier Ariel Scharon, Außenminister Silvan Schalom und Staatspräsident Mosche Katzav geplant. Fischer will auch mit dem palästinensischen Präsidenten Yassir Arafat und Ministerpräsident Mahmud Abbas zusammenkommen. junge Welt dokumentiert dazu nachfolgenden offenen Brief einer Friedensaktivistin aus Frankfurt/M. in Auszügen.


Sehr geehrter Herr Außenminister Fischer,
bei Ihrem Abstecher in die besetzten Gebiete sollten Sie auf gar keinen Fall versäumen, sich die Zerstörungen beispielsweise in Rafah anzusehen, bei denen 30 (!) Panzer unter Raketenbeschuß durch Apache-Hubschrauber den Lebensraum von vielen palästinensischen Familien zerstörten. Planen Sie auch einen Besuch der Familien von Mahmud Shaath (24), Wissam Al Shaar (24), Ibrahim Abu Shalouf (18) und Walid Al Lidawi (19), ein, die bei dem Angriff ermordet wurden.

Oder machen Sie einen Abstecher nach Kalkilia, wo die israelische Soldateska den 14jährigen Jihad Raouf Nazzal vor dem Haus seiner Eltern erschossen hat. Allein im März wurden 26 Kinder von der israelischen Besatzungsarmee ermordet! 26 »Terroristen«???

Oder besuchen Sie Tulkarem, wo die »einzige Demokratie im Nahen Osten« ihre Besatzerarmee mit Panzern und Kampfhubschraubern alle Männer zwischen 14 und 40 Jahren im Hof einer Schule zusammentrieb und abtransportieren ließ. Dabei versäumen Sie bitte nicht, nach dem Verbleib der Familien Mahmud Mramesh und Tahal zu fragen, die obdachlos gemacht wurden, weil die Besatzerarmee ihre Häuser in die Luft gesprengt hat.

Oder machen Sie sich ein Bild von den Ruinen der 16 Häuser, die israelische Planierraupen in Jerusalem und Umgebung zerstörten. Dies gehört fast zum Alltag in der »einzigen Demokratie im Nahen Osten«.

Zum Schluß möchte ich Sie bitten, bei der israelischen Regierung die sofortige Freilassung des palästinensischen Abgeordneten und Menschenrechtsaktivisten Hussam Khader zu fordern, der am 17. 3. in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von der israelischen Besatzungsarmee verhaftet wurde. Nach Marwan Barghouti ist Hussam Khader der zweite Parlamentarier in israelischer Haft, obwohl Parlamentarier eigentlich Immunität genießen.

Hochachtungsvoll

Claudia Karas
 

 

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