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20. März 2004 - Erster Jahrestag des Irak-Kriegs

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Dies ist eine besondere Schande vor dem Hintergrund der leidvollen Geschichte der polnischen Nation. Kwasniewski und Co. machen sich zu Lakaien und Speichelleckern Washingtons. 

 

Redebeitrag während der Demonstration in Duisburg, Averdunk-Zentrum


Hanna Ackermann

Friedensforum Duisburg

 

Es gilt das gesprochene Wort

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

 

ein trauriger Anlass führt uns mal wieder zusammen – der erste Jahrestag des Überfalls auf den Irak.

 

Es dürfte der letzte begriffen haben: Es waren alles vorgeschobene Gründe, es waren Lügen, Lügen, Lügen. Die wahren Gründe für den Krieg und die andauernde Besatzung dürften jetzt jedem einleuchten: es sind rein wirtschaftliche Interessen des internationalen Großkapitals.

 

Die Plünderung begann sofort: Kulturschätze, Jahrtausende alte Zeugnisse der Kulturgeschichte der Menschheit, wurden barbarisch zerstört oder aus dem Land geraubt.

 

Der Ausverkauf irakischer Wirtschaft dauert an. Auch Deutschland und Frankreich bemühen sich tüchtig darum, einen Anteil an diesem Kuchen zu ergattern. Demnächst sollen Bundeswehrsoldaten die Fremdherrschaft im Irak verstärken.

 

Was bedeutet diese Okkupation für die irakische Bevölkerung? Nach zwölf Jahren mörderischen Embargos – unter der Hoheit der UNO übrigens – geht es den Menschen im sogenannt „befreiten“ Irak gar nicht besser – im Gegenteil: das Überleben ist noch schwieriger geworden.

 

Im Bombenhagel des Überfalls starben Zehntausende irakische Soldaten und Zivilisten – heute sterben die Menschen infolge der unerträglichen Lebensbedingungen. Die Sterblichkeitsrate der Kinder, die schon unter dem Embargo extrem hoch war, hat sich unter der Besatzung verdoppelt! 50.000 irakische Bürger bleiben in Haft hinter Stacheldrahtzäunen, mehr als 2000 irakische Frauen wurden durch US-amerikanische, britische, italienische und polnische Besatzungssoldaten vergewaltigt.

 

Und hier einige ganz persönliche Worte: Diejenigen, die mich schon früher gehört oder meine Beiträge gelesen haben, wissen, dass ich Polin bin. Polen musste in seiner Geschichte 150 Jahre Fremdherrschaft erdulden – und zuletzt über fünf Jahre dauernde grausame hitlerdeutsche Besatzung – und immer Widerstand geleistet! Das Gedenken an die Millionen Opfer ist immer noch sehr lebendig. 

 

Und ich kann es nicht fassen, dass die Regierung Kwasniewski unter Missachtung des in Polen tief verwurzelten Wunsches nach nationaler Freiheit und Selbstbestimmung und unter Missachtung des Völkerrechts die Republik Polen zum Besatzer und Unterdrücker anderer Völker macht!

 

Dies ist eine besondere Schande vor dem Hintergrund der leidvollen Geschichte der polnischen Nation. Kwasniewski und Co. machen sich zu Lakaien und Speichelleckern Washingtons.

 

Aber diese Entscheidung wurde gegen den Willen der polnischen Bevölkerung getroffen:  Etwa 80 Prozent der Polen waren von Anfang an gegen den Angriff auf Irak und gegen polnische Beteiligung daran.

 

Ähnlich wie in Deutschland gegen Bundeskanzler Schröder wurden in Polen 20. März 2004: Antikriegsdemonstration in Warschaugegen den Präsidenten Kwasniewski Strafanzeigen wegen des Bruchs der Verfassung erstattet.

 

Polnische Bürgerinnen und Bürger protestierten am 20. März vor einem Jahr, protestierten immer wieder im Lauf des vergangenen Jahres, wurden oft an Ort und Stelle von Polizeikräften misshandelt oder anschließend strafrechtlich belangt – und sie protestieren auch heute – in Warschau ab 13 Uhr.

 

Heute, am 20. März, protestieren Menschen in der ganzen Welt, in über 600 Städten gegen die Militarisierung der Politik und die Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen mit militärischer Gewalt, gegen Unterdrückung und Besatzung im Irak, in Palästina und anderswo.

 

Unsere Ziele sind sehr ähnlich: Wir fordern:

 

Alle Besatzungstruppen aus dem Irak sofort zurückziehen!

Durch Krieg und Embargo angerichtete Schäden wiedergutmachen!

Den Rückzug Israels aus den besetzten Gebieten in Palästina und den Abriss der Apartheid-Mauer erzwingen!

Demokratie und friedliche Koexistenz statt Gewaltherrschaft und Eroberung!

Wirtschaftsaufbau statt Zerstörung!

Kein Sozialkahlschlag zugunsten der Rüstung!  

 

wpe4.jpg (47811 Byte) wpe6.jpg (44136 Byte) wpe8.jpg (46681 Byte) Einige Bilder von der Demo in Duisburg
(Hanna Ackermann)
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