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Kein Außenstehender, also auch wir nicht, hat das Recht, den Opfern eines Angriffs vorzuschreiben, ob und mit welchen Mitteln es Widerstand leisten soll, um die Besatzer aus dem Land zu vertreiben. Den Terror wollen wir nicht unterstützen, aber wir wollen verhindern, dass Widerstandskämpfer als Terroristen verunglimpft werden. Das lehrt uns auch die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts: Widerstandskämpfer als kriminelle Banden abzustempeln war schon eine Methode des Goebbelsschen Reichspropagandaministeriums. Recht auf Widerstand Eröffnungsrede von Hanna Ackermann, Webmasterin der Friedenszeitung Duisburg, auf der Auftaktkundgebung zum 2. Jahrestag der Aggression der USA gegen das irakische Volk am 19. März 2005 in Duisburg Sofortiger
Abzug aller Besatzungstruppen aus dem Nahen und Mittleren Osten! Zwei Jahre ist es her, dass US-Amerikaner und Briten den Irak überfallen und fürchterlich zugerichtet haben. Der Krieg, den die Aggressoren nach einigen Wochen für beendet erklärten, geht in sein drittes Jahr. Von Beginn an setzten die Iraker der Invasion heftigen Widerstand entgegen. Das ist ihr gutes Recht. Das Opfer eines Überfalls hat das Recht auf Abwehr und Verteidigung. Wir wissen schon seit langem, dass die Gründe für den militärischen Angriff vorgeschoben waren – von Irak ging keine Bedrohung aus. Der Angriff erfolgte aus niederen Gründen – das wussten wir schon vor zwei Jahren, als wir uns an derselben Stelle wie heute versammelt haben mit Transparenten – kein Blut für Öl! Die US-amerikanischen und britischen Angreifer haben mit dem Überfall auf den Irak das Völkerrecht gebrochen und damit ihre eigenen Regeln geschaffen – es ist staatlich ausgeübter Terrorismus. Terror ist, wenn sich Aktionen gegen Zivilisten richten – die Massaker, die die US-Armee anrichtet, sind blanker Terror. Unabhängige Hilfsorganisationen melden über Hunderttausend Tote unter irakischen Männern, Frauen und Kindern seit dem Kriegsbeginn. Dies geschieht, um den Großkonzernen den Weg für die wirtschaftliche Ausbeutung des Iraks zu ebnen. Wer Gewalt sät, erntet Gewalt. Das irakische Volk, seiner Staatlichkeit beraubt, kämpft um seine Unabhängigkeit. Eine Marionettenregierung im Dienst der Konzerne will es nicht akzeptieren – und das ist sein gutes Recht. Nachdem die Besatzungsarmeen unter Bruch des Völkerrechts ihre eigenen Regeln aufgestellt haben, handelt das Opfer, das irakische Volk, ebenfalls nach eigenen Regeln. Die wichtigste davon lautet, die Okkupanten und ihre Helfer anzugreifen, wo immer sich eine Gelegenheit dazu bietet, mit dem Ziel, die Besatzer zum Abzug zu zwingen. Denn: Es gibt kein freies Land unter fremder Besatzung. Einen Mittelweg gibt es nicht. Die deutsche Friedensbewegung spaltet sich am Irak-Krieg: Manche ihrer führenden Köpfe, die warm und satt auf einem weichen Sofa vor dem Fernseher sitzen und ihre Kinder gesund und in Sicherheit wissen, erheben den Zeigefinger und erdreisten sich, den Opfern des Angriffs gute Ratschläge zu geben, wie sie am besten die andere Wange für den nächsten Schlag hinhalten. Das ist nicht nur weltfremd, das ist ignorant. Kein Außenstehender, also auch wir nicht, hat das Recht, den Opfern eines Angriffs vorzuschreiben, ob und mit welchen Mitteln es Widerstand leisten soll, um die Besatzer aus dem Land zu vertreiben. Den Terror wollen wir nicht unterstützen, aber wir wollen verhindern, dass Widerstandskämpfer als Terroristen verunglimpft werden. Das lehrt uns auch die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts: Widerstandskämpfer als kriminelle Banden abzustempeln war schon eine Methode des Goebbelsschen Reichspropagandaministeriums. Unser Gerechtigkeitsbedürfnis und die Idee internationaler Solidarität verpflichten uns, dem irakischen Volk unsere Solidarität und Unterstützung zu geben. Deshalb stehen wir heute hier. Es gibt aber noch einen weiteren Grund: Auch die israelische Regierung bricht internationale Abkommen, entrechtet, enteignet, massakriert und sperrt das palästinensische Volk hinter eine Apartheidmauer; palästinensische Freiheitskämpfer werden mit Terroristen gleich gestellt. Die europäischen Regierungen sehen dem schweigend zu. Menschen, die gegen die terroristischen Methoden der israelischen Armee protestieren, versucht man mit der Brandmarke des Antisemitismus mundtot zu machen. Um von innerstaatlichen sozialen Problemen abzulenken, um Sozialraub an eigener Bevölkerung zu betreiben und ihre Akzeptanz zu gewinnen für weitere geplante Angriffskriege zur Sicherung der globalen ökonomischen Vorherrschaft, braucht man ein Feindbild. Eine altbewährte und gut funktionierende Methode ist das. Zum Feind für heute und die nächsten Jahre wurden die Muslime propagandistisch aufgebaut: Unbekanntes und Fremdartiges, wie diese Kultur halt für die meisten Europäer ist, erzeugt Unsicherheit und Angst. Durch die Gleichsetzung des Islamismus mit dem Terrorismus wird die Angst richtig geschürt und rassistisches Gedankengut in die Köpfe gehämmert. Und auch deswegen stehen wir heute hier. Wir stehen hier in einer internationalen Zusammensetzung, um zu protestieren, dass Gräben oder Mauern zwischen Menschen errichtet werden. siehe auch: -> Georg Rohrbach (SI): Der Widerstand gegen ein Besatzungsregime ist ureigenstes demokratisches Recht und Völkerrecht. Rede bei der Auftaktveranstaltung des Ostermarsches Rhein und Ruhr 2005 in Duisburg, 26.03.05 |
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