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Inge Holzinger, Friedensforum Duisburg, an US-Präsident Bush

->> Begleitbrief an Bundeskanzler Schröder

->> zur englischsprachigen Version (pdf)

Setzen Sie Ihre Macht ein, Herr Präsident, auch im Interesse der Bevölkerung in Ihrem Land, um der Menschheit den Weg in eine lebenswerte Zukunft zu weisen!

Juni 2002

Sehr geehrter Herr Präsident,

Ihre Rede vor dem Deutschen Bundestag am 23. Mai 2002 wurde von der Friedensbewegung aufmerksam verfolgt, besonders interessierten Ihre Äußerungen zu Krieg und Frieden in der Welt. Zwölf Jahre nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation ist eine friedliche Zukunft auf der Erde nicht in Sicht.

Seit dem NATO-Krieg gegen Jugoslawien erfüllt uns zunehmende Sorge. Ein Land wurde in nicht lebensfähige Teilstaaten zerschlagen, Tausende Zivilopfer sind zu beklagen, die Infrastruktur des Landes und die materielle Lebensgrundlage vieler Menschen wurde zerstört. Drei Jahre nach Beendigung der Kämpfe gibt es täglich weitere Opfer durch die Hinterlassenschaft des Krieges wie Minen und Uran-Munition.

Seit dem 7. Oktober 2001 leiden die Völker Afghanistans unter den Bombardements und Raketenangriffen und ihren Folgen. Bin Laden wurde nicht gefasst, die Organisation El Qaida nicht zerstört, im Gegenteil, die Geheimdienste warnen vor weiteren Anschlägen.

Zwei Verbündete der Antiterrorkoalition, Indien und Pakistan, beide Atomwaffenbesitzer, bekämpfen sich im Kaschmirgebiet seit Jahren, die Lage spitzt sich täglich zu. Der Nahe Osten ist ein Pulverfass. Die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern eskaliert, obwohl auf beiden Seiten große Teile der Bevölkerung ihren Friedenswillen zum Ausdruck bringen.

In dieser Situation drohen Sie mit einem neuen Krieg der hochgerüsteten Westmächte unter Führung der USA gegen den Irak. Die Bevölkerung Iraks leidet täglich an den Folgen des Krieges von 1991, zumal an der weitgehenden Zerstörung der Infrastruktur des Landes. Unter dem tödlichen Embargo leiden Kinder und Kranke und nicht die Regierung des Landes. Der mit dem Embargo bewusst herbei geführte Mangel an Chemikalien zur Trinkwasseraufbereitung und an Medikamenten hat zum Tode Hunderttausender Menschen in der Zivilbevölkerung geführt. Die damals verwendete Munition mit abgereichertem Uran hat die Krebsrate und die Zahl missgebildeter Kinder erhöht. Ein neuer Krieg würde diese Leiden vervielfachen und die letzten Hoffnungen der Zivilbevölkerung zerstören. 

Der steigende Export neuer hochentwickelter Waffensysteme nützt nur der Rüstungsindustrie und führt zu immer neuen tödlichen Auseinandersetzungen in der Welt. 

Aber Krieg bringt den Menschen in keinem Land ein Leben in Freiheit und Menschenwürde, das hat die jügste Vergangenheit klar gezeigt. Weltweite Kriege helfen nicht gegen Terror, sie zerstören Menschen und unseren Planeten.

Die täglich verschwendeten Rüstungsmilliarden sind besser einzusetzen gegen Hunger und Verelendung auf der Erde, für Gesundheit und Bildung. Das erscheint uns ein besserer Beitrag im Kampf gegen Terrorismus, ein Beitrag zum Erhalt einer bewohnbaren Erde.

Setzen Sie Ihre Macht ein, Herr Präsident, auch im Interesse der Bevölkerung in Ihrem Land, um der Menschheit den Weg in eine lebenswerte Zukunft zu weisen!

Mit freundlichen Grüßen

Inge Holzinger

 

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