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[GushShalom] Über Märtyrertum und den beschränkten Horizont von Generälen

Datum:    30.03.04 02:14:15 (MEZ) - Mitteleurop. Sommerzeit

Von:        info@gush-shalom.org

GUSH SHALOM - pob 3322, Tel-Aviv 61033 - www.gush-shalom.org/

 

[Im Folgenden lest ihr, wie Uri Avnery die Ermordung von Scheich Yassin in den Kontext einordnet, und in den vier weitergeleiteten Artikeln des Israelisch-Palästinensischen Emailmagazins Bitter Lemons (Attentate und der Konflikt - Ed. 12) findet ihr eine Annäherung an das Thema von mehreren signifikanten Blickwinkeln.]

 

-> Uri Avnery: Drei Generale, ein Märtyrer  

Zurück zu einem Kampf um die Existenz - Ghassan Khatib

Palästinensische Sichtweise: Ghassan Khatib, Mitherausgeber von bitterlemons.org und bitterlemons-international.org, Arbeitsminister in der Palästinensischen Regierung, in den vorangegangenen Jahren in der Presse geschätzt als ein politischer Analytiker.

 

Bankrott - Yossi Alpher

Israelische Sichtweise: Yossi Alpher, Mitherausgeber von bitterlemons.org und bitterlemons-international.org, ehemaliger Leiter des Jaffee Centers für Strategische Studien an der Universität von Tel-Aviv und ein ehemaliger engerer Berater von PM Ehud Barak.

Yassin und das Lager des Todes - Eyad el Sarraj

Palästinensische Sichtweise: Dr. Eyad el Sarraj, Gründer und Direktor des Gaza Community Mental Health Programms (GCMHP).

Gezielte Tötungen: eine Retromode - Yossi Melman

Israelische Sichtweise: Yossi Melman, ein führender Korrespondent bei der israelischen Tageszeitung Ha'aretz und Autor von mehreren Büchern über Geheimdienste, Geheimdiplomatie und Außenpolitik.

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Olivenöl direkt von den Bauern aus Jayyous, auch in Übersee

 

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Zurück zu einem Kampf um die Existenz - Ghassan Khatib

EINE PALÄSTINENSISCHE SICHTWEISE

 

Israels Politik der Ermordung von palästinensischen Aktivisten und Führern ist nun eskaliert zum Berühren der höchsten Reihen der palästinensischen Führung, angeblich als Antwort auf die Herausforderung von palästinensischen Selbstmordattentaten. Dieser Wechsel markiert eine neue breitere Verschiebung im Tenor und der wirklichen Natur des lang andauernden palästinensisch-israelischen Konflikts und der Konfrontationen.

Während es einfach ist, das Töten von Scheich Ahmad Yassin als einen Teil der fortgesetzten Eskalation der Gewalt auf beiden Seiten zu sehen, ist diese Sichtweise auch zu einfach. Man muss die strategischen Wurzeln dieses stetig anwachsenden Phänomens erkunden, und diese Frage muss  den Brennpunkt auf die israelische Regierung richten als die einzige Variable, die sich verändert hat seit dem Zusammenbruch von Verhandlungen.

Wir haben jetzt eine Regierung in Israel, die verantwortlich ist für die Umwandlung der Natur unseres Kampfes. Vorher befanden sich die Palästinenser und Israelis mehr oder weniger in einer Übereinkunft über die Richtlinien zur Lösung - im Prinzip die Zwei-Staaten-Lösung, wie sie in den Referenzbegriffen des Friedensprozesses und der internationalen Bestimmungen festgelegt ist. Die Differenzen zwischen den beiden Seiten waren nicht geringer, aber sie waren alle in der Bestimmung der Einzelheiten dieser Lösung angesiedelt. Zum Beispiel, bei den Gesprächen von Camp David in 2000 zerbrachen die Vereinbarungen über verschiedene Einzelheiten, wie die zwei Staaten umzusetzen seien: der Prozentanteil von Israels Rückzug aus der West Bank und dem Gaza, den Grenzen, die zwischen den beiden Staaten gezogen werden sollten, welche Siedlungen geräumt werden würden, wie die Flüchtlingsfrage zu lösen sei, wie man Jerusalem teilen solle, und so weiter.

Seitdem hat eine Revolution stattgefunden. Das Friedenslager in Israel ist gänzlich an den Rand gedrückt worden und jene Gruppen, die den Friedensprozess ablehnten, sind jetzt an der Macht. Diese Opposition hat aus dieser neuen Realität Kapital geschlagen und war erfolgreich in der Übertragung des Konfliktes und der Konfrontationen von einer Diskussion über die Details zur Schaffung zweier Nachbarstaaten in einen existentiellen Konflikt. Diese israelische Regierung hat den größten Teil ihrer Energien dazu verwandt, die Möglichkeit der Errichtung eines palästinensischen Staates zu verneinen durch die Wiederbesetzung der Territorien der Palästinensischen Behörde und der allmählichen Kastrierung der Palästinensischen Behörde selbst.

Dieser neue Charakter des Konfliktes bringt natürlich neue ebenen der Konfrontation. Es ist nützlich, sich daran zu erinnern, dass Israel die Ermordungspolitik gegenüber der palästinensischen Führung in vorangegangen Phasen des Kampfes probiert hat, nämlich vor der Einleitung des Friedensprozesses und zu einer Zeit, als die beiden Seiten noch nicht entschieden hatten, Kompromisse einzugehen, sondern noch versuchten, sich gegenseitig auszulöschen. Die 1960er und 70er Jahre sahen eine große Zahl von israelischen Ermordungen von Führern der Palästinensischen Befreiungsorganisation [PLO].

Aber Israel hat seine Lektion nicht gelernt. Jene Ermordungen waren lediglich erfolgreich in der Intensivierung der Konfrontationen und der wachsenden Entschlossenheit innerhalb der Palästinenser, den Kampf fortzusetzen. Dasselbe kann über die gegenwärtige Rund der politischen Eliminationen gesagt werden.

Ermordungen stärken die palästinensische Feindseligkeit und liefern konsequenterweise das Rückgrat für die weitergehende Gewalt. Aber lasst uns keine Fehler machen. Jene Israelis, welche die palästinensischen politischen Strukturen und Bestrebungen verstehen, kennen auch im Voraus das wahrscheinliche Ergebnis dieser Ermordung für das palästinensische Gleichgewicht der Kräfte.

Sie haben daher, wenn sie vorhatten, zu Ungunsten der Palästinensischen Behörde, des Friedenslagers und des säkularen Lager dieses Gleichgewicht weiterhin systematisch zu kippen, dann haben sie keine Fehler gemacht.

- Veröffentlicht am 29.03.2004©bitterlemons.org

Ghassan Khatib ist Mitherausgeber von bitterlemons.org und bitterlemons-international.org. Er ist Arbeitsminister in der Palästinensischen Regierung und war in den vorangegangenen Jahren in der Presse geschätzt als ein politischer Analytiker.

 

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Bankrott - Yossi Alpher

EINE ISRAELISCHE SICHTWEISE

 

Eine Woche nach der Ermordung von Scheich Ahmad Yassin durch Israel ist es einfach, eine Liste von Rechtfertigungen für diese Tat aufzustellen. Es ist genauso einfach, aufzuzeigen dass bei der Bilanz des Tötens es ein schwerwiegender Fehler war, der ein gefährliches Fehlen von strategischer Klugheit auf Seiten seiner Vollstrecker widerspiegelt. Aber diese gesamte Diskussion über die Tötung eines Terroristen darf nicht dazu führen, dass man die wichtigste Grundtatsache vernebelt, die diese Ermordungen widerspiegeln: keiner der relevanten Führer hat eine realistische Strategie für den Frieden, oder auch nur für die Beendigung der Gewalt.

Diese gezielte Tötung war gerechtfertigt, weil Scheich Yassin ein höherer Terroristenführer war und es in der Ära nach dem 11.9. nicht mehr Hindernisgründe gibt bei der Eliminierung von Terroristenführern. Sie war in der israelischen Öffentlichkeit gerne angenommen worden, weil die Öffentlichkeit, zu Recht, möchte, dass ihre terroristischen Quäler bestraft werden. Durch die Ankündigung der Absicht Israels den Gaza Streifen zu verlassen, war es gerechtfertigt zu erwarten, dass der Terrorismus aus und innerhalb von Gaza zurückgehen würde; wenn dies nicht geschah und wenn Hamasführer mit der Unterstützung der Hisbollah den Terrorismus eskalierten (der Anschlag im Hafen von Ashdod), machte es Sinn, eine Kampagne zu starten, um eine Botschaft der Stärke zu schicken und die Hamas zu schwächen zu Gunsten der gemäßigteren Palästinenser als Teil und Päckchen des Rückzugsplan. Und obschon der Mord an einer vollkommen gelähmten politisch-religiösen Figur in einem Rollstuhl beim Verlassen einer Moschee zweifellos grotesk und zynisch erscheint, schickt er doch eine abschreckende Botschaft an Yassins religiöse terroristische Führungskollegen: man beobachte die Wirkung der demütigenden Gefangennahme von Saddam Hussein auf die Neigungen des libyschen Führers Muammar Qaddafi. Eine frühere Runde von Ermordungen brachte die Hamas dazu, einer Hudna oder Waffenruhe zuzustimmen.

Es gibt auch eine offensichtliche politische Sichtweise - zynisch, aber real - bei der Tötung von Yassin. Durch diese Tat brachte Premierminister Ariel Sharon die militanten Kritiker seines Rückzugsplans innerhalb des Likud zum Schweigen und verbesserte anscheinend seinen "unersetzlichen" Status in Erwartung einer möglichen strafrechtlichen Anklageerhebung. Einige würden hinzufügen, dass es dabei auch einen internationalen Blickwinkel gibt - einen, der sich auf den globalen Krieg gegen den Terrorismus bezieht: die Wahl der Zapatero Regierung in Spanien mit ihrer Wahlplattform des Rückzugs aus dem Irak in den Fußspuren der el-Kaida Anschläge in Madrid hat vorgeblich Yassins Schicksal besiegelt, in dem Sinne, dass eine starke und aggressive antiterroristische Botschaft aufgerufen wurde um dem Eindruck der Beschwichtigung, die von Spanien ausgeht, entgegen zu wirken.

All diese Argumente und weitere können aufgebracht werden um die Ermordung Yassins zu rechtfertigen. Dennoch bleibt sie ein Akt der Sinnlosigkeit, wenn nicht gar der Dummheit. Während sie die Fähigkeiten der Hamas durch den Schlag gegen eine Führer und dem Zwang für die anderen, noch mehr unterzutauchen, reduzieren mag, schreckt sie nicht ab; im Gegenteil, sie verstärkt nur die Motivation sowohl der niedrigen Ränge als auch der Führerschaft, Israelis zu töten, nun auch unter Einbeziehung von israelischen politischen Führern. Während einige gemäßigte arabische Führer, die den militanten Islam fürchten, sich Heimlich über die Tötung Yassins freuen mögen, bleiben sie gegenüber Israel wütend und sind durch seine Aktionen in Verlegenheiten gebracht. Insbesonders Jordaniens König Abdullah wurde in den Augen der arabischen Welt kompromittiert und geschwächt, weil er sich mit Sharon knapp zwei Tage vor der Ermordung getroffen hatte. Pläne für den arabischen Gipfel Ende März in Tunis um die lobenswerte Saudi-arabische Friedensinitiative von vor zwei Jahren wieder zu verstärken, wurden von den kompromittierten arabischen Gemäßigten Staaten verworfen (zusammen mit dem gesamten Gipfel). Vielleicht von höchster Bedeutung  ist die Tatsache, dass Yassins Märtyrertum aller Wahrscheinlichkeit nach die arabische Richtung zu größerem religiösen Extremismus und Antiamerikanismus anstachelt, weit entfernt von den Grenzen Israels.

Nach Abwägung der Für und Wider von dieser Ermordung und der Politik der Ermordung der politischen Führung von antiisraelischen terroristischen Organisationen im allgemeinen, weist der Schlussstrich auf den strategischen Bankrott hin, nicht nur von Israel, sondern von all den relevanten Parteien. Israel und die Palästinenser scheinen nur fähig zu sein, mit Gewalt zu antworten. Es ist mit logischen Begriffen schwierig, die gewundene Behauptung zu unterstützen, dass wir im März 2004 Gaza geschwächt haben in der Vorwegnahme eines gerechtfertigten Rückzugs, der von einem nicht wieder gewählten Premierminister unterstützt wegen all der falschen Gründe (z.B. Festhalten an der West Bank) und der, sollte er geschehen, für den Sommer 2005 vorgesehen ist. Die scheinbar endlose Aneinaderkettung von leeren Sprüchen, die aus der Führung der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) seitdem diese Intifada begann, verbreitet wurden - "lasst die IDF den Sieg erstreiten," "brennt ihnen ihre Niederlage in ihr Bewusstsein ein," "Hamas ist ein strategischer Gegner" (was war sie vorher, ein taktischer Gegner?) - all das spiegelt den Mangel an Strategien zur Beendigung der Gewalt und zum Erreichen des Friedens wider.

Yassir Arafat und die palästinensische Führung, einschließlich der von Hamas, haben noch weniger einen Anspruch auf eine realistische Strategie: sie haben den gegenwärtigen Konflikt begonnen, haben weit mehr darunter gelitten, und scheinen Nichts daraus gelernt zu haben, wohingegen Sharon wenigstens vorhat, sich zurückzuziehen. Und US Präsident George W. Bush scheint sich des Schadens nicht bewusst, der durch unseren Konflikt seinem Programm von "Freiheit und Demokratie" im Mittleren und Nahen Osten verursacht worden ist.

Wenn nur Sharon eine geringste realistische Strategie für den Frieden hätte, müssten Ermordungen nicht notwendig sein. Sicherlich wären sie weit mehr gerechtfertigt.

- Veröffentlicht am 29.03.2004©bitterlemons.org

Yossi Alpher ist Mitherausgeber von bitterlemons.org und bitterlemons-international.org. Er ist der ehemalige Leiter des Jaffee Centers für Strategische Studien an der Universität von Tel-Aviv and ein ehemaliger engerer Berater von PM Ehud Barak.

 

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Yassin und das Lager des Todes - Eyad el Sarraj

EINE PALÄSTINENSISCHE SICHTWEISE

 

Ich war die ganze Nacht besorgt, weil der TV Satellitenempfang nicht funktionierte, ein übliches Anzeichen dafür, dass israelische Spionagedronen in unseren Luftraum eindringen, wenn sie unterwegs sind, um eine Tötung vorzubereiten.

Um 5:20 Uhr wurde ich durch den donnernden Lärm des niedrig fliegenden F16 geweckt, ein weiteres Zeichen dafür, dass die Israelis sich einem Ziel nähern. Fünf Minuten später hörte ich eine entfernte Explosion und der lokale palästinensische Fernsehsender, die einzige zugängliche Nachrichtenquelle, meldete die Ermordung von Scheich Ahmad Yassin, dem geistlichen Führer der Hamas.

Unmittelbar danach war Gaza durch die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte abgeriegelt, ebenso die West Bank - ein abgeschlossenes Gefängnis. Der Himmel füllte sich mit dunklen Schwaden von Rauch, da brennende Reifen aus jeder Ecke hervorkamen. Zehntausende versammelten sich auf den Straßen und forderten Rache als die Beerdigungsprozession von Yassin auf dem Weg zum Friedhof war. Gaza hatte noch nie zuvor so ausgesehen.

Jeder Mann und jede Frau war von Besorgnis ergriffen von dem, was jetzt noch folgen würde. Die Tötung von Yassin kam nicht überraschend. Israelische Offizielle hatten kürzlich erklärt, dass jeder, einschließlich der Führer von militanten Gruppen, ein legitimes Ziel sei. Es war offensichtlich, dass der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon wegen des Selbstmordanschlags in Ashdod wütend war, nicht nur, weil eine Zahl von Israelis getötet worden waren, sondern weil er zeigte, dass das Eindringen nach Israel möglich bleibt, trotz der berüchtigten Mauer, die Israel errichtet hat, und all seiner anderen Sicherheitsmaßnahmen.

In der Tat kann diese ganze Geschichte gesehen werden als eine weitere Form der Stammesrache und Vergeltung, die nun bereits seit mehr als drei Jahren vor sich geht. Politiker und Kommentatoren erklären, dass Sharon verrückt ist und dass er durch die Tötung von Yassin die ganze Region, wenn nicht sogar die ganze Welt, in ein Chaos stürzt. Aber ich glaube nicht, dass Sharon verrückt ist oder aus Vergeltung handelt. Er hat einen Plan, und er funktioniert.

Sharon ist es gelungen, die Uhr zurück zu drehen, indem er die Vereinbarung von Oslo und die Palästinensische Behörde als Partner zerstörte. Sharon hat entschieden, dass Frieden eine tödliche Gefahr für Israel ist, weil er das Aufgeben von Land in der West Bank mit sich bringt. Noch konkreter formuliert, Sharon ist entschlossen, den Traum der "bekloppten Linken" von einem binationalen Staat zu töten. Er ist dafür bereit, noch mehr Juden zu opfern, um ihn zu beenden. Die Verletzung von internationalem Recht ist unwichtig, und die Zahl der ermordeten Palästinenser hat keine Konsequenzen. Yassin ist nur eine weitere Zahl auf Sharons Liste; es wird noch viele geben, die folgen werden.

Die Tötung von Yassin kann gut einer der letzten Nägel für den Sarg der Palästinensischen Behörde sein, nachdem Sharon sie Stück für Stück akribisch ausgehöhlt hat. Nicht nur mit der Absicht die Behörde zu zerstören, ist Sharon umso entschlossener, jeglichen zukünftigen Partner zu töten – einschließlich der Hamas.

Interessanterweise hatte Yassin einmal eine Beendigung des Konfliktes akzeptiert, eine, die einen Palästinensischen Staat neben Israel umfasste, und somit den Traum eines Islamischen Staates im historischen Palästina aufgegeben. Sein Hauptziel war die Beendigung der israelischen Okkupation. Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass die Hamas und alle Formen des Widerstandes aus der israelischen Okkupation entsprungen sind.

Im vergangenen Sommer war Yassin wesentlich daran beteiligt, eine einseitige Waffenruhe herzustellen, die beinahe zwei Monate hielt. Yassin war sehr angesehen. Seine Ermordung hat ihn auf den Level der Heiligkeit gehoben, auf ein mächtiges Modell des Märtyrertums.

In der Nachfolge von Yassins Ermordung könnte Hamas glaubwürdig ihre Stellung behaupten und die Führung in Palästina beanspruchen, da Präsident Yassir Arafats Behörde zu einem Symbol der Demütigung und des Unvermögens degeneriert ist. Dies war raffiniert von Sharon durchgeführt worden, unterstützt - zweifelsohne - durch das palästinensische Fehlen einer Führung und Vision, und zu bestimmten Zeiten assistiert durch die Absegnung des Weißen Hauses.

Die Ermordung von Scheich Yassin in seinem Rollstuhl vor einer Moschee im Anschluss an das Morgengebet wird Israel nicht zu einem sichereren Platz machen. Sie mag vorübergehend Sharon Sicherheit in seiner Position bieten, da er sich aufmacht zu einem neuen Level der Gewalt, die im Gegenzug Hamas populärer und militanter und die Israelis furchtsamer machen wird. Tragischerweise hat sich die Logik des Terror für Sharon sehr gut ausgezahlt, wobei er der Bush Verbindung hilft. Sharon braucht verzweifelt eine palästinensische Vergeltung, die seine Hand gegenüber den einheimischen Gegnern stärkt.

Aber es kann alles für Sharon und genauso für Bush schief laufen, wenn die Wahrheit in schockierender Weise klarer wird und die neue Führung der Hamas einen dramatischen Kurswechsel erwägen würde. Es ist keine unvorstellbare Möglichkeit sich vorzustellen, dass der neue Führer der Hamas in Gaza, Abdel Aziz Rantisi, im Fernsehen den Israelis mitteilt, dass er gegen weitere Todesopfer ist und dass er einen gerechten Frieden möchte - dass er ihnen tatsächlich sagt, dass Vergeltung nicht sein Spiel ist.

Bei der Tötung von Yassin kann nur das Todeslager aufjubeln. Aber dies wird kurzlebig sein, da das Leben am Ende immer gewinnt. Dies ist die Lehre aus der Geschichte.

- Veröffentlicht am 29.03.2004©bitterlemons.org

Dr. Eyad el Sarraj ist der Gründer und Direktor des Gaza Community Mental Health Programms (GCMHP).

 

 

Gezielte Tötungen: eine Retromode - Yossi Melman

EINE ISRAELISCHE SICHTWEISE

 

Ermordungen, oder wie sie in Israel genannt werden, "gezielte Tötungen," sind nichts Neues in der Gemeinschaft der israelischen Geheimdienste. Aber im Laufe der Jahre, wenigstens bis zu den 1970ern, wurden sie als das letzte Mittel betrachtet, eine Maßnahme, die selten und klug angewandt werden sollte.

Es gab ein paar Gründe für diese Vorsicht. Erstens, viele im Kreisdes Geheimdienstes glaubten jahrelang, dass Spionage nicht Mord im Auftrag der Mafia-Stil Mord, KG. sein sollte. Noch wichtiger, die Politik der gezielten Tötungen ist ein zweischneidiges Schwert. Was man seinen Gegnern antut können sie auch einem selber antun.

Das erste Mal, das der israelische Geheimdienst eine Ermordung durchführte, war am 11. Juli 1956. Oberst Mustafa Hafez, der ägyptische Kommandeur des militärischen Geheimdienstes im Gaza Streifen und der verantwortliche Mann für die Entsendung von eingeschmuggelten Fedayeen nach Israel, wurde getötet, als ein Buch, das er erhalten hatte, explodierte.

Die Verwendung von Briefbomben wurde ein zentrales Werkzeug in den 1960ern, besonders beim Attackieren und Ermorden von deutschen (ehemaligen Nazi) Wissenschaftlern, die an der Entwicklung von fortgeschrittenen Waffen für Ägypten beteiligt waren.

Nach dem Sechs-Tage-Krieg brachte der Kampf gegen den palästinensischen Terror, sowohl in den Territorien und jenseits der Grenzen von Israel, die Ermordungen höher auf der Leiter der Prioritäten des israelischen Geheimdienstes. Aber die Wasserscheide war der Mord an 11 israelischen Athleten 1972 in München durch den "Schwarzen September," einer Gruppe der Front der Palästina Befreiungsorganisation (PLO). Die damalige Premierministerin Golda Meir befahl dem Leiter von Mossad, Zvi Zamir, eine Kampagne der gezielten Tötungen einzuleiten für jeden, der unmittelbar oder mittelbar mit dem Mord an den Athleten verknüpft war.

Es war das erste Mal in der Geschichte des Israelischen Geheimdienstes, dass er dazu geleitet wurde, ein "Projekt" zu initiieren - nicht eine einmalige Tötung sondern eine systematische Eliminierung von Dutzenden von Menschen.

Damals wurde ein Muster in Bewegung gesetzt, das die Grundlage für ähnliche Operationen bis zum heutigen Tag geworden ist. Der Geheimdienst erstellte eine Liste von Zielpersonen; heute ist sie als eine "Bank" bekannt. Ein besonderes, begrenztes Forum, bekannt als das "X Komitee", besaß die Vollmacht, die Anfragen von Mossad zur Eliminierung einer Person auf der Liste zu billigen. Das X Komitee sollte den Generalstaatsanwalt konsultieren, der als ein Ein-Mann Gericht diente und den Verdächtigen zum Tode verurteilte.

Dies war auch das erste Mal, dass das Motiv für die Ermordung Rache war. Obwohl es in hoch trabenden Begriffen wie "Abschreckung" und "zukünftige Prävention" des Terrors formuliert wurde, war klar, dass der Drang zum Rächen des Todes der israelischen Athleten der Hauptgrund für die Entscheidung gewesen war.

Die systematische Ermordungskampagne erlitt einen beinahe tödlichen Schlag im Juli 1973 in Lillehammer, Norwegen, als Mossad Schützen, die unterwegs waren, Ali Hassan Salameh zu eliminieren, von dem vermutet wurde, dass er der geistige Urheber für den Schwarzen September sei, versehentlich einen marokkanischen Kellner, Ahmed Boushiki, erschossen.

Der Misserfolg in Norwegen ließ einige Fragen in scharfer Form hervortreten: Lohnen sich gezielte Tötungen? Wenn ja, wer sollte zu den Zielen gehören? Obwohl klare Antworten darauf nie formuliert worden sind, wurde eine Art stillschweigendes Einverständnis erreicht, wonach gezielte Tötungen unter bestimmten Umständen zulässig sind, aber die Verwendung dieser Waffe muss behutsam, klug und selten sein.

Es war ratsam, dass nur höhere Funktionskommandeure als Ziel ausgesucht werden sollten, diejenigen, deren Tod als Ergebnis eine schwerwiegende Behinderung der Funktionsfähigkeiten der Organisationen bedeuten würde. Die Verantwortung dafür sollte nicht öffentlich übernommen werden, damit es nicht so aussah, dass Israel selbst Terror anwende, und damit seine Beziehungen zu anderen Ländern nicht geschädigt würden, wie das der Fall war mit Norwegen und mit Jordanien 1997 nach dem Versuch, den Hamas Führer Khaled Mashaal zu ermorden.

Der Kreis des Geheimdienstes vermutet auch, dass es möglich sei, wenn nicht sogar wünschenswert, Führer von kleinen Organisationen zu treffen, denjenigen, die nicht mehr als eine "Ein-Mann Show" sind. Fathi Shikaki, Führer des Islamischen Dschihad, wurde im Oktober 1995 getötet unter der Annahme, dass seine Ermordung ein Ende setzen könnte für die Fähigkeiten seiner kleinen Organisation. Sein vermutlicher Nachfolger, Abdullah Ramadan Shalah, wurde als unfähig und an Führungskapazitäten mangelnd angesehen.

Solche Vermutungen erwiesen sich als falsch. Shalah erwies sich als fähiger Führer, und der Islamische Dschihad hat im Gaza einige der schlimmsten Selbstmordanschläge der letzten Jahre verursacht.

Das wichtigste Element, das bei den Diskussionen zwischen den Geheimdienstchefs und der politischen Führung in Erwägung gezogen wird, ist das Kosten-Nutzen Verhältnis. Sollte die Ermordung zu einer ernsten Erwiderung von Seiten der Terrororganisationen führen, dann war es ein unnützer Vorschlag.

Diese Betrachtungsweise wurde entweder vergessen, als es 1992 zu der gezielten Tötung des Generaldirektors der Hisbollah, Abbas Moussawi, im südlichen Libanon kam, oder diejenigen, die diese Entscheidung trafen, handelten auf der Grundlage von fälschlichen Annahmen. Die Antwort von Hisbollah war schmerzlich: zwei Autobomben in Buenos Aires, gegen die Gebäude, welche die Israelische Botschaft und die Organisation der Jüdischen Gemeinde beherbergten, bei denen mehr als 100 Menschen getötet und viele verletzt wurden.

Im Nachhinein gibt es keinen Zweifel, dass viele im Kreis des Geheimdienstes glauben, dass die Entscheidung von 1988 Khalil al-Wazir, Yassir Arafats Stellvertreter, auch als Abu Jihad bekannt, zu treffen ein Fehler gewesen ist. Wenn man zurückblicht, ist es vielen klar, dass sein Tod Arafat allein auf der Führungsebene der PLO übrig ließ, ohne den Rat eines talentierten und pragmatischen Strategen.

Immer, selbst auf dem Höhepunkt der Ermordungskriege, gab es eine Art stiller Vereinbarung auf beiden Seiten, keinen "nationalen" Führer zu treffen. Hier und da tauchten Ausnahmen auf, wie der fehlgeschlagene Versuch der Volksfront für die Befreiung Palästinas den ehemaligen Ministerpräsidenten David Ben-Gurion während eines Besuches in Skandinavien in den 1960ern zu töten, oder Plänen, die bereits in den späten 1960ern und 1982 wieder im Libanon ersonnen worden waren, Arafat zu töten.

Bereits 1998, nach dem fehlgeschlagenen Versuch gegen Meshal, veröffentlichte der Unterausschuss für Geheim- und Sicherheitsdienste der Knesset, der den Fall untersuchte, eine noch nie da gewesene kritische Stellungnahme, in der er feststellte, "viele Jahre lang haben die Regierungen von Israel keine Strategien formuliert im Krieg gegen Terrororganisationen, die auf grundlegenden Gedankenprozessen und Kontinuität beruhen...".

Aber in den letzten drei Jahren, und besonders mit der unklugen Entscheidung Scheich Ahmad Yassin zu töten, sind all die Grundannahmen und vergangenen Lektionen vergessen oder aufgegeben worden. Aus einer Waffe der allerletzten Möglichkeit ist die Ermordung zu der zugänglichsten Waffe geworden; vom weisen und umsichtigen Gebrauch ist sie jetzt weit verbreitet und Massenware.

Dieser Wechsel hat eine weitere, hauptsächlich psychologische, Annahme beschädigt: das Mysterium, das vorangegangenen Ermordungen umgab, dass sie Furcht in die Herzen des Feindes hineinbringen wegen ihrer Seltenheit und Kultiviertheit. Dieses Mysterium zerfällt in dem Augenblick, in dem diese Tat zur Routine wird. Dieses, mehr als jedes andere, zeigt den langen Weg, den die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte und die Geheimdienst- und Sicherheitskräfte gegangen sind, von mutiger und kreativer zu gelähmter Denkweise.

- Veröffentlicht am 29.03.2004©bitterlemons.org

Yossi Melman ist ein führender Korrespondent bei der israelischen Tageszeitung Ha'aretz und Autor von mehreren Büchern über Geheimdienste, Geheimdiplomatie und Außenpolitik.

 

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(unter anderen Dingen der vollständige Text von Avnerys Rede "Die Mauer wird fallen")

 

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NB: Links und Kontaktinformationen in Sachen laufender Kampf

       Gegen die Mauer / Refusniks / Vanunu

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Tägliche Präsenz in den Dörfern, die durch den Verlauf der Mauer bedroht werden.

Kontakt: Ivy Sichel 064-604172 isichel@netvision.net.il, der eine Liste eingerichtet hat für Menschen, die kurzfristig kommen können, oder: Arik Asherman 050-607034 info@rhr.israel.net

 

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Verweigerernachrichten:

 

Ständig aktualisierte Liste aller gegenwärtig eingesperrten Refusniks:

 

Englisch - http://www.yesh-gvul.org/english/prison/

Hebräisch - http://www.yesh-gvul.org/prison/

 

Für die neuesten Nachrichten über die Fünf:

http://www.refuz.org.il/News.html

 

  NB:

  Unterstützerbriefe an

  Noam Bahat / Haggai Mattar / Matan Kaminer

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  Ma’asiyaho Prison

  P.O.B 13

  Ramla

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  Adam Maor / Shimri Tzameret:

  Hermon Prison

  P.O.B 4011

  KFAR M’RAR

  Israel

 

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Liste der internationalen Mahnwachen am Tag der Vanunu Entlassung (21. April):

http://www.nonviolence.org/vanunu/

http://www.vanunu.freeserve.co.uk/

 

Anstelle von Versendung von Blumen - eine Online Option (PayPal) für eure Willkommensgeste:

<http://www.peaceispossible.info/thankyouvanunu.php>

 

Online Petition zur bedingungslosen Freilassung von Vanunu

http://www.ipetitions.com/campaigns/freemordechaivanunu/

 

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http://www.gush-shalom.org/ (òáøéú/Hebräisch)

http://www.gush-shalom.org/english/index.html (Englisch)

http://www.gush-shalom.org/arabic/index.html (ausgewählte Artikel in Arabisch)

 

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