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[Im
Folgenden lest ihr, wie Uri Avnery die Ermordung von Scheich Yassin in den
Kontext einordnet, und in den vier weitergeleiteten Artikeln des Israelisch-Palästinensischen
Emailmagazins Bitter Lemons (Attentate und der Konflikt - Ed. 12) findet ihr
eine Annäherung an das Thema von mehreren
signifikanten Blickwinkeln.] ->
Uri Avnery: Drei Generale, ein Märtyrer Zurück zu einem Kampf um die Existenz - Ghassan Khatib
Israelische Sichtweise: Yossi Alpher, Mitherausgeber von bitterlemons.org und bitterlemons-international.org, ehemaliger Leiter des Jaffee Centers für Strategische Studien an der Universität von Tel-Aviv und ein ehemaliger engerer Berater von PM Ehud Barak. Yassin und das Lager des Todes - Eyad el Sarraj Palästinensische Sichtweise: Dr. Eyad el Sarraj, Gründer und Direktor des Gaza Community Mental Health Programms (GCMHP). Gezielte Tötungen: eine Retromode - Yossi Melman Israelische Sichtweise: Yossi Melman, ein führender Korrespondent bei der israelischen Tageszeitung Ha'aretz und Autor von mehreren Büchern über Geheimdienste, Geheimdiplomatie und Außenpolitik. * * *
Olivenöl
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\\// //\\ \\// //\\ \\// Zurück
zu einem Kampf um die Existenz - Ghassan Khatib EINE
PALÄSTINENSISCHE SICHTWEISE Israels
Politik der Ermordung von palästinensischen Aktivisten und Führern ist nun
eskaliert zum Berühren der höchsten Reihen der palästinensischen Führung,
angeblich als Antwort auf die Herausforderung von palästinensischen
Selbstmordattentaten. Dieser Wechsel markiert eine neue breitere Verschiebung im
Tenor und der wirklichen Natur des lang andauernden palästinensisch-israelischen
Konflikts und der Konfrontationen. Während
es einfach ist, das Töten von Scheich Ahmad Yassin als einen Teil der
fortgesetzten Eskalation der Gewalt auf beiden Seiten zu sehen, ist diese
Sichtweise auch zu einfach. Man muss die strategischen Wurzeln dieses stetig
anwachsenden Phänomens erkunden, und diese Frage muss
den Brennpunkt auf die israelische Regierung richten als die einzige
Variable, die sich verändert hat seit dem Zusammenbruch von Verhandlungen. Wir
haben jetzt eine Regierung in Israel, die verantwortlich ist für die Umwandlung
der Natur unseres Kampfes. Vorher befanden sich die Palästinenser und Israelis
mehr oder weniger in einer Übereinkunft über die Richtlinien zur Lösung - im
Prinzip die Zwei-Staaten-Lösung, wie sie in den Referenzbegriffen des
Friedensprozesses und der internationalen Bestimmungen festgelegt ist. Die
Differenzen zwischen den beiden Seiten waren nicht geringer, aber sie waren alle
in der Bestimmung der Einzelheiten dieser Lösung angesiedelt. Zum Beispiel, bei
den Gesprächen von Camp David in 2000 zerbrachen die Vereinbarungen über
verschiedene Einzelheiten, wie die zwei Staaten umzusetzen seien: der
Prozentanteil von Israels Rückzug aus der West Bank und dem Gaza, den Grenzen,
die zwischen den beiden Staaten gezogen werden sollten, welche Siedlungen geräumt
werden würden, wie die Flüchtlingsfrage zu lösen sei, wie man Jerusalem
teilen solle, und so weiter. Seitdem
hat eine Revolution stattgefunden. Das Friedenslager in Israel ist gänzlich an
den Rand gedrückt worden und jene Gruppen, die den Friedensprozess ablehnten,
sind jetzt an der Macht. Diese Opposition hat aus dieser neuen Realität Kapital
geschlagen und war erfolgreich in der Übertragung des Konfliktes und der
Konfrontationen von einer Diskussion über die Details zur Schaffung zweier
Nachbarstaaten in einen existentiellen Konflikt. Diese israelische Regierung hat
den größten Teil ihrer Energien dazu verwandt, die Möglichkeit der Errichtung
eines palästinensischen Staates zu verneinen durch die Wiederbesetzung der
Territorien der Palästinensischen Behörde und der allmählichen Kastrierung
der Palästinensischen Behörde selbst. Dieser
neue Charakter des Konfliktes bringt natürlich neue ebenen der Konfrontation.
Es ist nützlich, sich daran zu erinnern, dass Israel die Ermordungspolitik
gegenüber der palästinensischen Führung in vorangegangen Phasen des Kampfes
probiert hat, nämlich vor der Einleitung des Friedensprozesses und zu einer
Zeit, als die beiden Seiten noch nicht entschieden hatten, Kompromisse
einzugehen, sondern noch versuchten, sich gegenseitig auszulöschen. Die 1960er
und 70er Jahre sahen eine große Zahl von israelischen Ermordungen von Führern
der Palästinensischen Befreiungsorganisation [PLO]. Aber
Israel hat seine Lektion nicht gelernt. Jene Ermordungen waren lediglich
erfolgreich in der Intensivierung der Konfrontationen und der wachsenden
Entschlossenheit innerhalb der Palästinenser, den Kampf fortzusetzen. Dasselbe
kann über die gegenwärtige Rund der politischen Eliminationen gesagt werden. Ermordungen
stärken die palästinensische Feindseligkeit und liefern konsequenterweise das
Rückgrat für die weitergehende Gewalt. Aber lasst uns keine Fehler machen.
Jene Israelis, welche die palästinensischen politischen Strukturen und
Bestrebungen verstehen, kennen auch im Voraus das wahrscheinliche Ergebnis
dieser Ermordung für das palästinensische Gleichgewicht der Kräfte. Sie
haben daher, wenn sie vorhatten, zu Ungunsten der Palästinensischen Behörde,
des Friedenslagers und des säkularen Lager dieses Gleichgewicht weiterhin
systematisch zu kippen, dann haben sie keine Fehler gemacht. -
Veröffentlicht am 29.03.2004©bitterlemons.org Ghassan Khatib ist Mitherausgeber von bitterlemons.org und bitterlemons-international.org. Er ist Arbeitsminister in der Palästinensischen Regierung und war in den vorangegangenen Jahren in der Presse geschätzt als ein politischer Analytiker.
~~~~ Bankrott
- Yossi Alpher EINE
ISRAELISCHE SICHTWEISE Eine
Woche nach der Ermordung von Scheich Ahmad Yassin durch Israel ist es einfach,
eine Liste von Rechtfertigungen für diese Tat aufzustellen. Es ist genauso
einfach, aufzuzeigen dass bei der Bilanz des Tötens es ein schwerwiegender
Fehler war, der ein gefährliches Fehlen von strategischer Klugheit auf Seiten
seiner Vollstrecker widerspiegelt. Aber diese gesamte Diskussion über die Tötung
eines Terroristen darf nicht dazu führen, dass man die wichtigste Grundtatsache
vernebelt, die diese Ermordungen widerspiegeln: keiner der relevanten Führer
hat eine realistische Strategie für den Frieden, oder auch nur für die
Beendigung der Gewalt. Diese
gezielte Tötung war gerechtfertigt, weil Scheich Yassin ein höherer
Terroristenführer war und es in der Ära nach dem 11.9. nicht mehr Hindernisgründe
gibt bei der Eliminierung von Terroristenführern. Sie war in der israelischen
Öffentlichkeit gerne angenommen worden, weil die Öffentlichkeit, zu Recht, möchte,
dass ihre terroristischen Quäler bestraft werden. Durch die Ankündigung der
Absicht Israels den Gaza Streifen zu verlassen, war es gerechtfertigt zu
erwarten, dass der Terrorismus aus und innerhalb von Gaza zurückgehen würde;
wenn dies nicht geschah und wenn Hamasführer mit der Unterstützung der
Hisbollah den Terrorismus eskalierten (der Anschlag im Hafen von Ashdod), machte
es Sinn, eine Kampagne zu starten, um eine Botschaft der Stärke zu schicken und
die Hamas zu schwächen zu Gunsten der gemäßigteren Palästinenser als Teil
und Päckchen des Rückzugsplan. Und obschon der Mord an einer vollkommen gelähmten
politisch-religiösen Figur in einem Rollstuhl beim Verlassen einer Moschee
zweifellos grotesk und zynisch erscheint, schickt er doch eine abschreckende
Botschaft an Yassins religiöse terroristische Führungskollegen: man beobachte
die Wirkung der demütigenden Gefangennahme von Saddam Hussein auf die Neigungen
des libyschen Führers Muammar Qaddafi. Eine frühere
Runde von Ermordungen brachte die Hamas dazu, einer Hudna oder Waffenruhe
zuzustimmen. Es gibt auch eine offensichtliche politische Sichtweise - zynisch, aber real - bei der Tötung von Yassin. Durch diese Tat brachte Premierminister Ariel Sharon die militanten Kritiker seines Rückzugsplans innerhalb des Likud zum Schweigen und verbesserte anscheinend seinen "unersetzlichen" Status in Erwartung einer möglichen strafrechtlichen Anklageerhebung. Einige würden hinzufügen, dass es dabei auch einen internationalen Blickwinkel gibt - einen, der sich auf den globalen Krieg gegen den Terrorismus bezieht: die Wahl der Zapatero Regierung in Spanien mit ihrer Wahlplattform des Rückzugs aus dem Irak in den Fußspuren der el-Kaida Anschläge in Madrid hat vorgeblich Yassins Schicksal besiegelt, in dem Sinne, dass eine starke und aggressive antiterroristische Botschaft aufgerufen wurde um dem Eindruck der Beschwichtigung, die von Spanien ausgeht, entgegen zu wirken. All
diese Argumente und weitere können aufgebracht werden um die Ermordung Yassins
zu rechtfertigen. Dennoch bleibt sie ein Akt der Sinnlosigkeit, wenn nicht gar
der Dummheit. Während sie die Fähigkeiten der Hamas durch den Schlag gegen
eine Führer und dem Zwang für die anderen, noch mehr unterzutauchen,
reduzieren mag, schreckt sie nicht ab; im Gegenteil, sie verstärkt nur die
Motivation sowohl der niedrigen Ränge als auch der Führerschaft, Israelis zu töten,
nun auch unter Einbeziehung von israelischen politischen Führern. Während
einige gemäßigte arabische Führer, die den militanten Islam fürchten, sich
Heimlich über die Tötung Yassins freuen mögen, bleiben sie gegenüber Israel
wütend und sind durch seine Aktionen in Verlegenheiten gebracht. Insbesonders
Jordaniens König Abdullah wurde in den Augen der arabischen Welt kompromittiert
und geschwächt, weil er sich mit Sharon knapp zwei Tage vor der Ermordung
getroffen hatte. Pläne für den arabischen Gipfel Ende März in Tunis um die
lobenswerte Saudi-arabische Friedensinitiative von vor zwei Jahren wieder zu
verstärken, wurden von den kompromittierten arabischen Gemäßigten Staaten
verworfen (zusammen mit dem gesamten Gipfel). Vielleicht von höchster Bedeutung
ist die Tatsache, dass Yassins Märtyrertum aller Wahrscheinlichkeit nach
die arabische Richtung zu größerem religiösen Extremismus und
Antiamerikanismus anstachelt, weit entfernt von den Grenzen Israels. Nach Abwägung der Für und Wider von dieser Ermordung und der Politik der Ermordung der politischen Führung von antiisraelischen terroristischen Organisationen im allgemeinen, weist der Schlussstrich auf den strategischen Bankrott hin, nicht nur von Israel, sondern von all den relevanten Parteien. Israel und die Palästinenser scheinen nur fähig zu sein, mit Gewalt zu antworten. Es ist mit logischen Begriffen schwierig, die gewundene Behauptung zu unterstützen, dass wir im März 2004 Gaza geschwächt haben in der Vorwegnahme eines gerechtfertigten Rückzugs, der von einem nicht wieder gewählten Premierminister unterstützt wegen all der falschen Gründe (z.B. Festhalten an der West Bank) und der, sollte er geschehen, für den Sommer 2005 vorgesehen ist. Die scheinbar endlose Aneinaderkettung von leeren Sprüchen, die aus der Führung der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) seitdem diese Intifada begann, verbreitet wurden - "lasst die IDF den Sieg erstreiten," "brennt ihnen ihre Niederlage in ihr Bewusstsein ein," "Hamas ist ein strategischer Gegner" (was war sie vorher, ein taktischer Gegner?) - all das spiegelt den Mangel an Strategien zur Beendigung der Gewalt und zum Erreichen des Friedens wider. Yassir
Arafat und die palästinensische Führung, einschließlich der von Hamas, haben
noch weniger einen Anspruch auf eine realistische Strategie: sie haben den
gegenwärtigen Konflikt begonnen, haben weit mehr darunter gelitten, und
scheinen Nichts daraus gelernt zu haben, wohingegen Sharon wenigstens vorhat,
sich zurückzuziehen. Und US Präsident George W. Bush scheint sich des Schadens
nicht bewusst, der durch unseren Konflikt seinem Programm von "Freiheit und
Demokratie" im Mittleren und Nahen Osten verursacht worden ist. Wenn nur Sharon eine geringste realistische Strategie für den Frieden hätte, müssten Ermordungen nicht notwendig sein. Sicherlich wären sie weit mehr gerechtfertigt. -
Veröffentlicht am 29.03.2004©bitterlemons.org Yossi Alpher ist Mitherausgeber von bitterlemons.org und bitterlemons-international.org. Er ist der ehemalige Leiter des Jaffee Centers für Strategische Studien an der Universität von Tel-Aviv and ein ehemaliger engerer Berater von PM Ehud Barak.
~~~ Yassin
und das Lager des Todes - Eyad el Sarraj EINE
PALÄSTINENSISCHE SICHTWEISE Ich
war die ganze Nacht besorgt, weil der TV Satellitenempfang nicht funktionierte,
ein übliches Anzeichen dafür, dass israelische Spionagedronen in unseren
Luftraum eindringen, wenn sie unterwegs sind, um eine Tötung vorzubereiten. Um
5:20 Uhr wurde ich durch den donnernden Lärm des niedrig fliegenden F16
geweckt, ein weiteres Zeichen dafür, dass die Israelis sich einem Ziel nähern.
Fünf Minuten später hörte ich eine entfernte Explosion und der lokale palästinensische
Fernsehsender, die einzige zugängliche Nachrichtenquelle, meldete die Ermordung
von Scheich Ahmad Yassin, dem geistlichen Führer der Hamas. Unmittelbar
danach war Gaza durch die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte abgeriegelt,
ebenso die West Bank - ein abgeschlossenes Gefängnis. Der Himmel füllte sich
mit dunklen Schwaden von Rauch, da brennende Reifen aus jeder Ecke hervorkamen.
Zehntausende versammelten sich auf den Straßen und forderten Rache als die
Beerdigungsprozession von Yassin auf dem Weg zum Friedhof war. Gaza hatte noch
nie zuvor so ausgesehen. Jeder
Mann und jede Frau war von Besorgnis ergriffen von dem, was jetzt noch folgen würde.
Die Tötung von Yassin kam nicht überraschend. Israelische Offizielle hatten kürzlich
erklärt, dass jeder, einschließlich der Führer von militanten Gruppen, ein
legitimes Ziel sei. Es war offensichtlich, dass der israelische Ministerpräsident
Ariel Sharon wegen des Selbstmordanschlags in Ashdod wütend war, nicht nur,
weil eine Zahl von Israelis getötet worden waren, sondern weil er zeigte, dass
das Eindringen nach Israel möglich bleibt, trotz der berüchtigten Mauer, die
Israel errichtet hat, und all seiner anderen Sicherheitsmaßnahmen. In
der Tat kann diese ganze Geschichte gesehen werden als eine weitere Form der
Stammesrache und Vergeltung, die nun bereits seit mehr als drei Jahren vor sich
geht. Politiker und Kommentatoren erklären, dass Sharon verrückt ist und dass
er durch die Tötung von Yassin die ganze Region, wenn nicht sogar die ganze
Welt, in ein Chaos stürzt. Aber ich glaube nicht, dass Sharon verrückt ist
oder aus Vergeltung handelt. Er hat einen Plan, und er funktioniert. Sharon
ist es gelungen, die Uhr zurück zu drehen, indem er die Vereinbarung von Oslo
und die Palästinensische Behörde als Partner zerstörte. Sharon hat
entschieden, dass Frieden eine tödliche Gefahr für Israel ist, weil er das
Aufgeben von Land in der West Bank mit sich bringt. Noch konkreter formuliert,
Sharon ist entschlossen, den Traum der "bekloppten Linken" von einem
binationalen Staat zu töten. Er ist dafür bereit, noch mehr Juden zu opfern,
um ihn zu beenden. Die Verletzung von internationalem Recht ist unwichtig, und
die Zahl der ermordeten Palästinenser hat keine Konsequenzen. Yassin ist nur
eine weitere Zahl auf Sharons Liste; es wird noch viele geben, die folgen
werden. Die Tötung von Yassin kann gut einer der letzten Nägel für den Sarg der Palästinensischen Behörde sein, nachdem Sharon sie Stück für Stück akribisch ausgehöhlt hat. Nicht nur mit der Absicht die Behörde zu zerstören, ist Sharon umso entschlossener, jeglichen zukünftigen Partner zu töten – einschließlich der Hamas. Interessanterweise
hatte Yassin einmal eine Beendigung des Konfliktes akzeptiert, eine, die einen
Palästinensischen Staat neben Israel umfasste, und somit den Traum eines
Islamischen Staates im historischen Palästina aufgegeben. Sein Hauptziel war
die Beendigung der israelischen Okkupation. Es ist wichtig, daran zu erinnern,
dass die Hamas und alle Formen des Widerstandes aus der israelischen Okkupation
entsprungen sind. Im
vergangenen Sommer war Yassin wesentlich daran beteiligt, eine einseitige
Waffenruhe herzustellen, die beinahe zwei Monate hielt. Yassin war sehr
angesehen. Seine Ermordung hat ihn auf den Level der Heiligkeit gehoben, auf ein
mächtiges Modell des Märtyrertums. In
der Nachfolge von Yassins Ermordung könnte Hamas glaubwürdig ihre Stellung
behaupten und die Führung in Palästina beanspruchen, da Präsident Yassir
Arafats Behörde zu einem Symbol der Demütigung und des Unvermögens
degeneriert ist. Dies war raffiniert von Sharon durchgeführt worden, unterstützt
- zweifelsohne - durch das palästinensische Fehlen einer Führung und Vision,
und zu bestimmten Zeiten assistiert durch die Absegnung des Weißen Hauses. Die Ermordung von Scheich Yassin in seinem Rollstuhl vor einer Moschee im Anschluss an das Morgengebet wird Israel nicht zu einem sichereren Platz machen. Sie mag vorübergehend Sharon Sicherheit in seiner Position bieten, da er sich aufmacht zu einem neuen Level der Gewalt, die im Gegenzug Hamas populärer und militanter und die Israelis furchtsamer machen wird. Tragischerweise hat sich die Logik des Terror für Sharon sehr gut ausgezahlt, wobei er der Bush Verbindung hilft. Sharon braucht verzweifelt eine palästinensische Vergeltung, die seine Hand gegenüber den einheimischen Gegnern stärkt. Aber
es kann alles für Sharon und genauso für Bush schief laufen, wenn die Wahrheit
in schockierender Weise klarer wird und die neue Führung der Hamas einen
dramatischen Kurswechsel erwägen würde. Es ist keine unvorstellbare Möglichkeit
sich vorzustellen, dass der neue Führer der Hamas in Gaza, Abdel Aziz Rantisi,
im Fernsehen den Israelis mitteilt, dass er gegen weitere Todesopfer ist und
dass er einen gerechten Frieden möchte - dass er ihnen tatsächlich sagt, dass
Vergeltung nicht sein Spiel ist. Bei
der Tötung von Yassin kann nur das Todeslager aufjubeln. Aber dies wird
kurzlebig sein, da das Leben am Ende immer gewinnt. Dies ist die Lehre aus der
Geschichte. -
Veröffentlicht am 29.03.2004©bitterlemons.org Dr. Eyad el Sarraj ist der Gründer und Direktor des Gaza Community Mental Health Programms (GCMHP). Gezielte
Tötungen: eine Retromode - Yossi Melman EINE
ISRAELISCHE SICHTWEISE Ermordungen,
oder wie sie in Israel genannt werden, "gezielte Tötungen," sind
nichts Neues in der Gemeinschaft der israelischen Geheimdienste. Aber im Laufe
der Jahre, wenigstens bis zu den 1970ern, wurden sie als das letzte Mittel
betrachtet, eine Maßnahme, die selten und klug angewandt werden sollte. Es
gab ein paar Gründe für diese Vorsicht. Erstens, viele im Kreisdes
Geheimdienstes glaubten jahrelang, dass Spionage nicht Mord im Auftrag der
Mafia-Stil Mord, KG. sein sollte. Noch wichtiger, die Politik der gezielten Tötungen
ist ein zweischneidiges Schwert. Was man seinen Gegnern antut können sie auch
einem selber antun. Das
erste Mal, das der israelische Geheimdienst eine Ermordung durchführte, war am
11. Juli 1956. Oberst Mustafa Hafez, der ägyptische Kommandeur des militärischen
Geheimdienstes im Gaza Streifen und der verantwortliche Mann für die Entsendung
von eingeschmuggelten Fedayeen nach Israel, wurde getötet, als ein Buch, das er
erhalten hatte, explodierte. Die
Verwendung von Briefbomben wurde ein zentrales Werkzeug in den 1960ern,
besonders beim Attackieren und Ermorden von deutschen (ehemaligen Nazi)
Wissenschaftlern, die an der Entwicklung von fortgeschrittenen Waffen für Ägypten
beteiligt waren. Nach
dem Sechs-Tage-Krieg brachte der Kampf gegen den palästinensischen Terror,
sowohl in den Territorien und jenseits der Grenzen von Israel, die Ermordungen höher
auf der Leiter der Prioritäten des israelischen Geheimdienstes. Aber die
Wasserscheide war der Mord an 11 israelischen Athleten 1972 in München durch
den "Schwarzen September," einer Gruppe der Front der Palästina
Befreiungsorganisation (PLO). Die damalige Premierministerin Golda Meir befahl
dem Leiter von Mossad, Zvi Zamir, eine Kampagne der gezielten Tötungen
einzuleiten für jeden, der unmittelbar oder mittelbar mit dem Mord an den
Athleten verknüpft war. Es war das erste Mal in der Geschichte des Israelischen Geheimdienstes, dass er dazu geleitet wurde, ein "Projekt" zu initiieren - nicht eine einmalige Tötung sondern eine systematische Eliminierung von Dutzenden von Menschen. Damals
wurde ein Muster in Bewegung gesetzt, das die Grundlage für ähnliche
Operationen bis zum heutigen Tag geworden ist. Der Geheimdienst erstellte eine
Liste von Zielpersonen; heute ist sie als eine "Bank" bekannt. Ein
besonderes, begrenztes Forum, bekannt als das "X Komitee", besaß die
Vollmacht, die Anfragen von Mossad zur Eliminierung einer Person auf der Liste
zu billigen. Das X Komitee sollte den Generalstaatsanwalt konsultieren, der als
ein Ein-Mann Gericht diente und den Verdächtigen zum Tode verurteilte. Dies
war auch das erste Mal, dass das Motiv für die Ermordung Rache war. Obwohl es
in hoch trabenden Begriffen wie "Abschreckung" und "zukünftige
Prävention" des Terrors formuliert wurde, war klar, dass der Drang zum Rächen
des Todes der israelischen Athleten der Hauptgrund für die Entscheidung gewesen
war. Die
systematische Ermordungskampagne erlitt einen beinahe tödlichen Schlag im Juli
1973 in Lillehammer, Norwegen, als Mossad Schützen, die unterwegs waren, Ali
Hassan Salameh zu eliminieren, von dem vermutet wurde, dass er der geistige
Urheber für den Schwarzen September sei, versehentlich einen marokkanischen
Kellner, Ahmed Boushiki, erschossen. Der
Misserfolg in Norwegen ließ einige Fragen in scharfer Form hervortreten: Lohnen
sich gezielte Tötungen? Wenn ja, wer sollte zu den Zielen gehören? Obwohl
klare Antworten darauf nie formuliert worden sind, wurde eine Art
stillschweigendes Einverständnis erreicht, wonach gezielte Tötungen unter
bestimmten Umständen zulässig sind, aber die Verwendung dieser Waffe muss
behutsam, klug und selten sein. Es
war ratsam, dass nur höhere Funktionskommandeure als Ziel ausgesucht werden
sollten, diejenigen, deren Tod als Ergebnis eine schwerwiegende Behinderung der
Funktionsfähigkeiten der Organisationen bedeuten würde. Die Verantwortung dafür
sollte nicht öffentlich übernommen werden, damit es nicht so aussah, dass
Israel selbst Terror anwende, und damit seine Beziehungen zu anderen Ländern
nicht geschädigt würden, wie das der Fall war mit Norwegen und mit Jordanien
1997 nach dem Versuch, den Hamas Führer Khaled Mashaal zu ermorden. Der Kreis des Geheimdienstes vermutet auch, dass es möglich sei, wenn nicht sogar wünschenswert, Führer von kleinen Organisationen zu treffen, denjenigen, die nicht mehr als eine "Ein-Mann Show" sind. Fathi Shikaki, Führer des Islamischen Dschihad, wurde im Oktober 1995 getötet unter der Annahme, dass seine Ermordung ein Ende setzen könnte für die Fähigkeiten seiner kleinen Organisation. Sein vermutlicher Nachfolger, Abdullah Ramadan Shalah, wurde als unfähig und an Führungskapazitäten mangelnd angesehen. Solche
Vermutungen erwiesen sich als falsch. Shalah erwies sich als fähiger Führer,
und der Islamische Dschihad hat im Gaza einige der schlimmsten Selbstmordanschläge
der letzten Jahre verursacht. Das
wichtigste Element, das bei den Diskussionen zwischen den Geheimdienstchefs und
der politischen Führung in Erwägung gezogen wird, ist das Kosten-Nutzen Verhältnis.
Sollte die Ermordung zu einer ernsten Erwiderung von Seiten der
Terrororganisationen führen, dann war es ein unnützer Vorschlag. Diese
Betrachtungsweise wurde entweder vergessen, als es 1992 zu der gezielten Tötung
des Generaldirektors der Hisbollah, Abbas Moussawi, im südlichen Libanon kam,
oder diejenigen, die diese Entscheidung trafen, handelten auf der Grundlage von
fälschlichen Annahmen. Die Antwort von Hisbollah war schmerzlich: zwei
Autobomben in Buenos Aires, gegen die Gebäude, welche die Israelische Botschaft
und die Organisation der Jüdischen Gemeinde beherbergten, bei denen mehr als
100 Menschen getötet und viele verletzt wurden. Im
Nachhinein gibt es keinen Zweifel, dass viele im Kreis des Geheimdienstes
glauben, dass die Entscheidung von 1988 Khalil al-Wazir, Yassir Arafats
Stellvertreter, auch als Abu Jihad bekannt, zu treffen ein Fehler gewesen ist.
Wenn man zurückblicht, ist es vielen klar, dass sein Tod Arafat allein auf der
Führungsebene der PLO übrig ließ, ohne den Rat eines talentierten und
pragmatischen Strategen. Immer,
selbst auf dem Höhepunkt der Ermordungskriege, gab es eine Art stiller
Vereinbarung auf beiden Seiten, keinen "nationalen" Führer zu
treffen. Hier und da tauchten Ausnahmen auf, wie der fehlgeschlagene Versuch der
Volksfront für die Befreiung Palästinas den ehemaligen Ministerpräsidenten
David Ben-Gurion während eines Besuches in Skandinavien in den 1960ern zu töten,
oder Plänen, die bereits in den späten 1960ern und 1982 wieder im Libanon
ersonnen worden waren, Arafat zu töten. Bereits
1998, nach dem fehlgeschlagenen Versuch gegen Meshal, veröffentlichte der
Unterausschuss für Geheim- und Sicherheitsdienste der Knesset, der den Fall
untersuchte, eine noch nie da gewesene kritische Stellungnahme, in der er
feststellte, "viele Jahre lang haben die Regierungen von Israel keine
Strategien formuliert im Krieg gegen Terrororganisationen, die auf grundlegenden
Gedankenprozessen und Kontinuität beruhen...". Aber
in den letzten drei Jahren, und besonders mit der unklugen Entscheidung Scheich
Ahmad Yassin zu töten, sind all die Grundannahmen und vergangenen Lektionen
vergessen oder aufgegeben worden. Aus einer Waffe der allerletzten Möglichkeit
ist die Ermordung zu der zugänglichsten Waffe geworden; vom weisen und
umsichtigen Gebrauch ist sie jetzt weit verbreitet und Massenware. Dieser Wechsel hat eine weitere, hauptsächlich psychologische, Annahme beschädigt: das Mysterium, das vorangegangenen Ermordungen umgab, dass sie Furcht in die Herzen des Feindes hineinbringen wegen ihrer Seltenheit und Kultiviertheit. Dieses Mysterium zerfällt in dem Augenblick, in dem diese Tat zur Routine wird. Dieses, mehr als jedes andere, zeigt den langen Weg, den die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte und die Geheimdienst- und Sicherheitskräfte gegangen sind, von mutiger und kreativer zu gelähmter Denkweise. -
Veröffentlicht am 29.03.2004©bitterlemons.org Yossi
Melman ist ein führender Korrespondent bei der israelischen Tageszeitung
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aktualisierte Liste aller gegenwärtig eingesperrten Refusniks: Englisch
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die neuesten Nachrichten über die Fünf: http://www.refuz.org.il/News.html
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der internationalen Mahnwachen am Tag der Vanunu Entlassung (21. April): http://www.nonviolence.org/vanunu/ http://www.vanunu.freeserve.co.uk/ Anstelle
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