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Thema:    [GushShalom] Karneval & Tötungen

Datum:    08.03.04 17:49:38 (MEZ) Mitteleuropäische Zeit

Von:        info@gush-shalom.org

GUSH SHALOM - pob 3322, Tel-Aviv 61033 - www.gush-shalom.org/

“Ich glaube, die Vorstellung, dass es möglich sei, 3,5 Millionen Palästinenser weiterhin unter Besatzung zu halten – ja, es ist Okkupation, Sie mögen dies Wort nicht gerne hören, aber was stattfindet ist Okkupation - ist schlecht für Israel und schlecht für die Palästinenser, und schlecht für die israelische Wirtschaft."

 

“Wir gewinnen" sagt der General. Dr. Gershon Baskins Meinungsverschiedenheiten

- Betrachtungen zu der asymmetrischen Schlacht.

 

------- Forwarded message follows -------

From:       "Gershon Baskin" <gershon@ipcri.org>

Date sent:     Mon, 8 Mar 2004 09:39:09 +0200

Subject:      The Hollow Echo of Silence

 

8. März 2004

Heute berichten palästinensische Nachrichtenquellen, dass 27 Palästinenser, unter ihnen vier Kinder, in weniger als einer Woche in Gaza getötet worden sind.

Brigadegeneral Gadi Shamni, der scheidende Kommandeur der IDF im Gaza Streifen, sagte der Zeitung Ha'aretz “Wir gewinnen in diesem Konflikt. In der militärischen Arena gewinnen wie jeden Tag, mehrmals."

Politische palästinensische Führer aus verschiedenen Lagern wie z.B. die Al Aqsa Brigaden geben zur Kenntnis, dass “geschworen haben, gewaltsame Vergeltung zu üben für das Massaker der zionistischen Einheit in den Flüchtlingslagern von Breij und Nusseirat in Gaza”. Stellungnahmen von Hamas versprachen ebenfalls: “dass der zionistische Premierterrorist Ariel Sharon für seine Verbrechen im Gaza Streifen teuer bezahlen würde. Hamas Vertreter forderten alle palästinensische Militärflügel auf, “Widerstandsangriffe gegen Besatzungsziele in allen Gebieten des besetzten Palästina zu eskalieren.”

Gewinnen wir wirklich, wie Gadi Shamni es der israelischen Öffentlichkeit versichert? Meiner Ansicht nach ist die Antwort klar: NEIN! Der Krieg gegen den Terror, sage ich zu meinen israelischen Freunden, Kollegen und Führern - wird nicht an der militärischen Front gewonnen werden. Die Aktionen in dieser vergangenen Woche in Gaza werden den Willen der Palästinenser jeglichen Alters nicht verringern, Israel zu hassen und Israel mit dem allerletzten Tropfen Blutes in ihren Körpern zu bekämpfen.

Palästinensische und arabische Fernsehsender in der gesamten arabischen Welt strahlten in sehr lebendiger Farbe Bilder von dem Blut aus, das vom Kopf des jungen palästinensischen Kindes heruntertropfte, das gestern bei dem Schusswechsel zwischen israelischen Streitkräften und palästinensischen Kräften getötet worden war. Selbst moderate Stimmen in Palästina konnten das brennende Verlangen nach Rache nicht zurückhalten beim Anblick dieser schockierenden Bilder.

Seit dem Beginn dieser Intifada im September 2000 habe ich immer wieder festgehalten, dass man keinen Krieg gegen ein Volk gewinnen kann, das für seine Befreiung und Freiheit gegen eine Besatzungsmacht kämpft. Wir sollten dies aus unserer eigenen Geschichte und Erfahrung besser wissen als die meisten anderen Nationen und Völker. Es ist klar, dass die Palästinenser am Ende frei sein werden und die israelische Okkupation enden wird. Es ist vor allen Dingen eine Frage der Zeit und zu welchem Preis. Der Tag für Tag vor sich gehende Kampf des Tötens ist nichts anderes als vergeblich. Da sind diejenigen, die sagen würden: Was möchtet ihr, dass wir tun, unsere Waffen niederlegen und zulassen, dass der Feind uns tötet? Denjenigen würde ich sagen: wir müssen die Platten wechseln um anders zu handeln. Im gegenwärtigen Paradigma der israelisch-palästinensischen Beziehungen ist die einzige Logik die der gegenseitigen Zerstörung. Diese Logik wird klar ausgesprochen in der Art der Stellungnahmen, die jeden Tag von Menschen auf beiden Seiten gemacht werden: Wir können nicht unsere Waffen niederlegen weil sie nicht ihre niederlegen werden. Wir müssen den Terrorismus bekämpfen weil man mit dem Terrorismus keine Kompromisse eingehen kann. Wir müssen weiter die Okkupation bekämpfen weil die einzige Sprache, die sie verstehen, die Sprache der Gewalt ist. Wir müssen den Terrorismus bekämpfen weil Stärke die einzige Sprache ist, die sie verstehen. Wenn wir eine Waffenruhe verkünden, werden sie das so deuten als ob wir schwach wären. Es darf keine Siege für den Terrorismus geben weil das den Terrorismus verstärkt. Rückzug ist ein Sieg für den Terror. Sie sind alle Terroristen von Geburt an; sie trinken den Hass mit ihrer Muttermilch. Sowieso, es gibt keinen auf der anderen Seite, mir der man reden kann. Sie wollen keinen Frieden, sie wollen uns nur zerstören. Etc. Etc. Etc.

Es spielt keine Rolle, wer es sagt. In einem Konflikt, in dem es so viele Asymmetrie gibt, ist es erstaunlich, wie viel Symmetrie es gibt in der Rhetorik. Genau die selben Dinge, die wir über sie denken, denken sie über uns. Und der Kreislauf geht immer weiter, immer rund. Und mit jede Tag mehr Tod, mehr Blut, mehr Zerstörung. Und die gesamten Ressourcen von zwei Völkern, Menschenkapital, Finanzkapital und das Land, das wir beide lieben, wird in die Abfalltonne der Logik von Militär, Sicherheit, Waffen und der Verteidigungsaussichtslosigkeit geworfen.

In der Vergangenheit bin ich von Israelis angegriffen worden, die behaupteten, dass ich und solche wie ich Kollaborateure und sich selbst hassende Juden seien, dafür dass ich geäußert habe, dass es eine Okkupation gibt. Aber jetzt hat selbst Premierminister Sharon von Okkupation gesprochen “Ich denke, die Idee, dass es möglich ist, 3,5 Millionen Palästinenser weiter unter Okkupation zu halten – ja es ist Okkupation, Sie mögen das Wort nicht gerne hören, aber was geschieht ist Okkupation - ist schlecht für Israel, und schlecht für die Palästinenser, und schlecht für die israelische Wirtschaft. Die Kontrolle von 3,5 Millionen Palästinensern kann nicht für immer weitergehen. Wollen Sie in Dschenin, Nablus, Ramallah und Bethlehem bleiben?” (26. Mai 2003)

Sharon plant eine einseitige Auflösung. Ich stehe voll hinter der Idee, dass Israel die Okkupation in Gaza beendet und ich unterstütze jeden Zug, der die Bevölkerung von Israel auf die Möglichkeit vorbereitet, dass wir uns von jedem Zentimeter in Gaza zurückziehen müssen, einschließlich aller Siedlungen, und je eher desto besser. Aber dies wird nicht den Frieden bringen. Es sollte jedem klar sein, und besonders Sharon selbst, dass dies kein Ende setzen wird für das Töten. Durch einen einseitigen Rückzug von Gaza wird Israel nicht zum letzten Mal Gaza verlassen. Israel wird zurückkommen, IDF Truppen werden wieder einrücken, Apache Hubschrauber werden weiterhin Raketen gegen Palästinenser in den Straßen von Gaza abfeuern. Recht und Ordnung werden nicht in Gaza regieren. Die eine konstante Variable, der wir alle unter diesem Szenario der Einseitigkeit sicher sein können, ist die, dass der hass gegen Israel weiter wachsen wird. Und die Israelis werden darauf mit gleichem Maß von Hass gegen die Palästinenser reagieren. Palästinenser sind nicht geborene Terroristen, und es gibt nichts in ihrer genetischen Struktur, dass sie dem Terror zugeneigt macht. Israelis sind ebenfalls nicht geboren um Palästinenser zu hassen und auch sie sind nicht Terroristen von Geburt an. Dies sind angelernte Verhaltensmuster. Der Hauptgrund für das Erlernen dieser Verhaltensmuster ist Furcht. Die Ausbreitung der Furcht ist der Brennstoff der Generale und der militärischen Gemüter und Politiker, die in ihrer Vergangenheit von der selben Denkart gemacht waren - bei den Israelis und genauso bei den Palästinensern.

Man kann sich fest darauf verlassen, dass die Verbreitung von Furcht die beständigen Forderungen nach verstärkten Militäretats oder ein fortgesetztes Schmuggeln von Waffen und die Bezahlung von “Freiheitskämpfern” mit dringend benötigten knappen Mitteln, die zum Aufbau und nicht zur Zerstörung verwendet werden sollten, mit sich bringt. Und die Furcht hat sich breit gemacht. Nur sind wir alle zu stolz um zu sagen, dass wir Angst haben. Nur Feiglinge haben Angst. Aber ich bin kein Feigling und ich habe keine Angst. Ich fürchte, dass das Töten und die Zerstörung immer weiter gehen wird, und der gut bekannt Wunsch, dass meine Kinder vielleicht nicht zu kämpfen haben, wird überall und immer zu hören sein, Generation nach Generation, und all unsere Kinder werden zu kämpfen haben.

Und die Öffentlichkeit auf beiden Seiten wird als Geisel genommen und ihre Stimmen sind stumm.. Wo sind die Stimmen, die sagen, dass es genug mit dem Töten ist? Wo sind diejenigen, die in ihren Herzen und ihrem Bewusstsein wissen, dass es keinen Weg gibt, den Willen der anderen zu brechen?

Ich brenne vor Zorn. Ich bin zornig auf meine Landsleute und ich bin zornig auf die Palästinenser – warum bleiben wie ruhig? Ich habe keine Hoffnung, dass unsere Führer, oder ihre Führer, oder die Führer der Welt uns vor unserem eigenen Niedergang retten werden. Ich bin nicht wütender auf die Führer als ich auf uns selbst wütend bin. Ich erwarte nicht mehr länger etwas von unseren Führern. Sie werden weiterhin das tun, was sie am besten können – und wir werden alle weiterhin den Preis zahlen mit mehr und mehr Opfern – israelische und palästinensische. Wie viele Tote wird es benötigen bevor einfache Israelis und Palästinenser auf die Straße gehen und sagen: GENUG!? 5.000, 10.000, 20.000, 100.000?

Jedes neue Opfer ist für Nichts gestorben. Sie sind keine Helden, sie sind Einfaltspinsel wie wir alle, und wenn wir gegenüber uns ehrlich sind, werden wir erkennen, Israelis und Palästinenser, dass sie umsonst getötet worden sind. Glaubt nicht an Mythen. Wir kämpfen um Nichts – wir alle – Israelis und Palästinenser. Dieser Krieg wird uns keine Verbesserungen bringen. Es gibt keine Siege und es gibt keine Sieger. Es gibt nur Verluste und Verlierer. Wir verlieren alle und wir sind alle Verlierer. Israelis genauso wie and Palästinenser werden mit dieser sinnlosen Dummheit und dem Leichtsinn weitermachen bis wir, das Volk, die Israelis und die Palästinenser, uns mutig erheben und gegen die Strömung stellen. So lange dies weitergeht und so lange immer mehr Menschen ihr Leben verlieren, auf beiden Seiten, sind wir verantwortlich und wir müssen alle die Schuld auf uns nehmen.

Ich rede jeden Tag mit Israelis und Palästinensern – aus allen Lebensbereichen. Ich weiß, dass es Menschen auf der anderen Seite gibt, mit denen man reden kann. Ich weiß, dass es möglich ist, Vereinbarungen zu erreichen und zu Lösungen zu kommen, die ein Leben in Würde und Freiheit gewährleisten würden. Ich habe diese Arbeit zu lange gemacht um in Furcht und Verzweiflung zu verfallen. Wir müssen unser Mitgefühl für ihr Leiden zeigen und für unser eigenes. Es gibt Hoffnung und es muss Hoffnung geben. Es gibt genug vernünftige Israelis und Palästinenser, die, genauso wie ich, die Nase voll haben. Es liegt nun an uns, dass wir etwas verändern.

 

Dr. Gershon Baskin ist der Israelische Ko-Direktor von IPCRI – the Israel/Palestine Center for Research and Information

http://www.ipcri.org

 

“Ich glaube, die Vorstellung, dass es möglich sei, 3,5 Millionen Palästinenser weiterhin unter Besatzung zu halten – ja, es ist Okkupation, Sie mögen dies Wort nicht gerne hören, aber was stattfindet ist Okkupation - ist schlecht für Israel und schlecht für die Palästinenser, und schlecht für die israelische Wirtschaft. Die Kontrolle über 3.5 Millionen Palästinenser kann nicht für ewig weiter gehen. Wollen Sie in Dschenin, Nablus, Ramallah und Bethlehem bleiben?" [Ariel Sharon, 26. Mai 2003]

 

Die Liebe für das Land eines Menschen ist eine großartige Sache. Aber warum soll dir Liebe an der Grenze aufhören? [Pablo Casals]

 

Ich vernichte meine Feinde wenn ich sie zu meinen Freunden mache. [Abraham Lincoln]

 

Wenn du Frieden mit deinem Feind machen willst, dann musst du mit deinem Feind zusammenarbeiten. Dann wird er dein Partner. [Nelson Mandela]

 

 

 

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