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Aber da es schließlich doch, nach allem, was gesagt und getan wurde,
wirklich einen palästinensischen Partner für bedeutsame Verhandlungen und
Frieden gibt, ist Sharons unilaterales Rückzugskonzept eine künstliche
Alternative, welche die wahren Möglichkeiten für das Hinbewegen auf eine
Erledigung sabotiert.
From:
"Reuven Kaminer" <mssourk@pluto.mscc.huji.ac.il> Date
sent: Tue, 6 Apr
2004 23:14:29 +0200 Sharon
setzt sich ab Reuven
Kaminer 5.
April 2004 - Jerusalem Die
Spannungen und die Konflikte in der israelischen Politik nähern sich den
Dimensionen einer ernsthaften Krise. Sharon hat angekündigt, dass die Israelis
sich aus dem Gaza Streifen zurückziehen und die 20 Siedlungen in diesem Gebiet,
die von 7.500 Siedlern bewohnt werden, verlassen werden. Er arbeitet immer noch
die Einzelheiten seines Plans mit der Regierung der Vereinigten Staaten heraus
und das fertige Projekt soll aus dem Treffen Sharons mit Bush am 14. April 2004
herauskommen. Die 'neue Realität' wird, so scheint es, abgesegnet werden durch
einen Austausch von Dokumenten zwischen den beiden Führern. Sharons
Absichten sind sowohl einfach und klar. Israel muss seine Linien verkürzen und
die US Unterstützung für einen neuen Status quo festigen, die
stillschweigende, wenn nicht sogar ausdrückliche US Billigung für eine
dauerhafte israelische Kontrolle des größten Teils der West Bank einschließt.
Untätigkeit ist, Sharon zufolge, gefährlich, da sie zu neuen diplomatischen
Initiativen einladen würde, die sich um Pläne kreisen würden, die der Road
Map oder den Genfer Vereinbarungen ähneln würden. Sharon
hat ein kleines Problem. Er, seine eigene Partei und große Teile seiner
Koalition haben den Menschen die ganze Zeit über immer wieder gesagt, dass ein
Rückzug gleichbedeutend sei mit einem Rückzug im Angesichts des Terrors, oder
'eine Auszeichnung für den Terror'. Es ist daher keine Überraschung, dass mehr
als die Hälfte seiner Koalition, genauso wie die Mehrheit seiner eigenen Likud
Fraktion in der Knesset gegen den Rückzug sind. Seine Gegner auf der Rechten
brauchen einfach einen Haufen seiner eigenen jüngsten Stellungnahmen und Sprüche
gegen das Verlassen der Gaza Region zitieren. Sharon
wurde veranlasst, einer Umfrage bei den Likudparteimitgliedern über den Rückzug
zuzustimmen, als dem einzigen Weg, durch den er zeigen könnte, dass er für die
Mehrheit seiner Wählerschaft spricht. Es ist ein sehr enger Zeitplan. Sharon
trifft sich mit Bush am 14. April 2004 und 200.000 Likud Mitglieder gehen zwei
bis drei Wochen später zur Abstimmung um über das Schicksal der Initiative zu
entscheiden. Angeführt von der gesamten Siedlerbewegung, starten die religiösen
Fundamentalisten und ihre weltlichen Verbündeten eine friss oder stirb Kampagne
gegen die geplante Räumung der Gush Katif Siedlungen im Gaza Gebiet. Die
intensive Medienberichterstattung über die Kämpfe in der Rechten vermitteln
ein Gefühl, dass wir alle die besten Plätze am Ring haben für den größten
Kampf seit Gog und Magog. Die
Medien und viele naive Seelen werden geködert um dies einerseits als einen
Kampf zwischen einer gesetzmäßig eingesetzten Regierung und ihrem gewählten
Ministerpräsidenten, der sich der mehrheitlichen Unterstützung durch die öffentliche
Meinung erfreut, und andererseits den Kräften der messianischen
fundamentalistischen Rechten. In dem sich abzeichnenden Kampf beabsichtigen die
Siedler, jede vorstellbare legale und illegale Option auszunützen, um den Rückzug
zu vereiteln. Könnte dies die größte Spaltung in der israelischen
Gesellschaft sein? Nähern wir uns einer neuen Phase, in der die Vorherrschaft
von der annektionistischen Rechten übergeben wird an eine zentristische
Regierung. Die bereit ist, mit den Palästinensern Kompromisse einzugehen. Ist
Arik Sharon der De Gaulle, auf den viele gehofft und von dem viele geträumt
haben? Es
ist natürlich klar, dass der Knüller in den Medien in den vergangenen zwei
Wochen Sharon und Co. gegen die Siedler-beheimatet Koalition gewesen ist. Die
Spannung ist hoch zwischen den Fraktionen. Die Siedler Rechte hat sich sogar der
"Herrschaft des Rechts" Lobby in Israel angeschlossen, die nach einer
Anklage gegen Sharon ruft wegen Schieberei und Bestechung. Die Siedler würden
allzu gerne die Rückzugsinitiative bei Sharons politischer Beerdigung tot und
begraben sehen, da der Premierminister, so wird es angenommen, zurücktreten müsste
falls Israels Generalstaatsanwalt Mazoz beschließt, eine Anklage zu erheben, im
einklang mit dem gegenwärtigen Konsens im Büro der Staatsanwaltschaft. Egal
wie man auf die gegenwärtige Situation schaut, die Krise ist deutlich ins
Gesicht des israelischen politischen Systems geschrieben. Selbst ohne der
Korruptionswolke, die über seinem Kopf hängt - er könnte sich gezwungen
sehen, wegen der Skandale zurückzutreten, zu jeder Zeit in den nächsten paar
Monaten - ist es weit davon sicher zu sein, dass Sharon, oder irgendjemand
anders auf der Rechten wegen dieser Angelegenheit sich herablassen würde, die
Unantastbarkeit des Siedlungsprojektes zu verletzen. Den Medienberichten zum
Trotz ist es immer noch unklar, ob Sharon selbst wirklich bereit ist, sich mit
den Siedlern anzulegen, oder ob er ihrer Entschlossenheit, das Land an den
Abgrund der Rebellion oder sogar eines Bürgerkrieges widerstehen kann. Es wird angenommen, dass Sharon und seine Herausforderer diesen 'demokratischen' Wettstreit für die Herzen der Likudwähler abhalten werden nachdem Sharon von seinem Treffen mit Bush zurückkehrt. Jedoch ist es weit entfernt von einer Sicherheit, dass diese 200.000 Parteimitgliederabstimmung jemals stattfinden wird. Das groß angelegte Parteireferendum, für das es keinerlei Verfahrensrichtlinien gibt, ist ein Produkt von Last-Minute Charakter um Handlungsfreiheit zu gewinnen um Sharons Schwäche zu verstecken. Daher werden beide Seiten, die in das Gefecht verwickelt sind, ausreichende Gelegenheiten haben, um die Rechtmäßigkeit der einbezogenen Verfahrensweisen herauszufordern. Ohne
die möglichen Komplikationen zu berücksichtigen hat der Kampf um die Stimmen
der Likudmitgliederschaft bereits begonnen und es ist in der Tat eine schmutzige
Angelegenheit. Die Siedler-beheimatete Fraktion beschuldigt Sharon, dass er sich
den Bedrohungen des Terrors unterwerfe. Als 'Antwort' ist Sharons
Kampagnenstrategie bereits aufgetankt mit dem Blut von palästinensischen Führern
und Aktivisten und den Androhungen von noch größeren und noch grauenhafteren
Handlungen gegen die Palästinenser. In dem Augenblick, in dem wir dies
schreiben, ist es seine jüngste Drohung Arafat und den Hisbollah Führer,
Nasrallah, zu ermorden die Nachricht für die Schlagzeilen. Sharons
Strategie ist geleitet durch seine Furcht und den Hass gegenüber den Palästinensern
und sein Ziel der Vermeidung von jeglichen bedeutsamen Verhandlungen. Genauso
wie er sich über seine Unfähigkeit das Land zu steuern ärgern wird, da er
sich fähig fühlt, genauso wie er seine eigene politische Weisheit rühmt, wie
sie entfernt ist von der politischen Blindheit der Siedler-beheimateten
Koalition der Fundamentalisten, ist es zweifelhaft, ob er ihrer Herausforderung
geradewegs begegnen kann und wahre Kontrolle über das Land demonstrieren kann.
So lange wie Sharon weiterhin anti-palästinensischen Hass speit in die Politik
des Staatskörpers, stärkt er die Glaubwürdigkeit seiner Gegner auf der
Rechten. Wenn es nach Sharon keine Chance für eine Vereinbarung mit den Palästinensern
für die friedliche Lösung des Konflikts gibt, warum sollten dann Bush und
seine Berater irgendwelche Einwände oder Einschränkungen erwägen, wenn sie
auf das Siedlungsprojekt vorwärts oder rückwärts schauen. Die Siedler haben
vielleicht recht, wenn sie argumentieren, dass Sharons Plan nicht die
Grundkonturen des Konflikts und die Positionen der wichtigeren internationalen
Mitspieler verändern werden oder verändern können. Die Arbeitspartei und Peres hoffen auf einen Showdown zwischen Sharon und den Siedlern, der sie in die Koalition katapultieren würde. Mit diesem Ziel im Kopf reicht es nicht aus für die Arbeitspartei, Sharon für den Rückzug parlamentarische Unterstützung zu versprechen. In der Tat, bei der Möglichkeit einer direkten Abstimmung in der Knesset über einen Rückzug - ohne annektionistische Zusatzklauseln - würde wahrscheinlich das ganze Zentrum und selbst die Linke (einschließlich Yahad, Hadash und den Arabischen Parteien),ihre Hände erheben um zu verhindern, dass Sharon die Abstimmung über das spezifische Thema des Rückzugs aus dem Gaza verliert. Unglücklicherweise
gibt es politische Kräfte, die mit der Arbeitspartei und einigen
einflussreichen Leuten in der Yahad Partei (früher MERETZ) assoziiert sind, die
das Verlangen fühlen offene oder schweigende Unterstützung für Sharons
gesamte Politik zu geben, indem sie einen unilateralen Rückzug als die Hauptlösung
für die gegenwärtige Konfrontation mit den Palästinensern betrachten. Die
Unterstützung für eine Art (oder jegliche Art) eines unilateralen Rückzugs
ist zur Fluchtstrecke der Friedensbewegung geworden seit Ehud Baraks
schmachvollen Angriff auf die Mainstream Tauben. Barak, so wird sich erinnert
werden, fasste die Lektion des Camp David Fiaskos zusammen, indem er behauptete,
dass er Israel gerettet habe indem er bewies, dass es dort 'keinen Partner' für
Verhandlungen gäbe. Für willensschwache und opportunistische Tauben ist es
nicht wirklich wichtig, ob die wahr ist. Während Sharon gegen Verhandlungen mit
den Palästinensern aus Prinzip ist, folgen die schwächeren Verknüpfungen im
Zentrum und der Linken seinem unilateralen Rückzugsplan, weil sie es für
schwierig halten, der Öffentlichkeit die Wahrheit zu sagen, dass es einen
Partner für den Frieden gibt, und dass jeglicher Versuch, an den Palästinensern
vorbei zu handeln, zu Scheitern verurteilt ist. Eine
Zeitlang, unmittelbar nach dem Aufkommen der Genfer Vereinbarungen, war es für
Israels Mainstream Tauben ziemlich schwer geworden, Sharon und seinen Plänen
nachzufolgen. Der Genfer Erfolg schaffte es ein ganzes Stück, das offizielle
Mantra über Israel, das keinen hat, mit dem es verhandeln kann, zu überdecken.
Jedoch, wenn es dort 'keinen Partner' gibt, (oder, wenn es unpopulär ist,
darauf zu beharren, dass es dort wirklich solch einen Partner gibt), dann
scheint die Unterstützung für einen unilateralen Rückzug akzeptabler zu sein
als die Duldung des Status quo, besonders, wenn man versucht ist, trotz aller
historischen Erfahrungen, Sharons Glaubwürdigkeit zu akzeptieren. Daher werden
wir Zeuge des widerlichen Spektakels einiger 'Führer' im zionistischen
Mitte-Links Flügels, der es geeignet erachtet, der Genfer Initiative den Rücken
zuzuwenden. Es
ist besonders unangenehm zu sehen, wie diejenigen die bei Peace Now etwas zu
sagen haben, stolpern und in die unilaterale Rückzugsfalle rutschen. Peace Now,
immer noch traumatisiert durch Baraks Linie des 'Friedenschaffens ohne die Palästinenser',
ist in einer lang anhaltenden politischen und organisatorischen Identitätskrise
gewesen. Es gab Lippenbekenntnisse zu den Vereinbarungen von Genf auf dem Höhepunkt ihrer Popularität, aber es begann mit einem schnellen Rückzug, als sich herausstellte, dass Peres und die Arbeitspartei nicht an Genf interessiert sind. Peres zieht es zur Zeit vor, Sharons Schwierigkeiten auszunutzen um den Weg der Arbeitspartei zurück in die Regierung zu pflastern. Peace Now hat gerade in dieser Woche, auf dem Hintergrund von Sharons Entflechtungsplan, eine neue Kampagne angekündigt, die darauf abzielt seine 'gegen Siedlungen' Haltung für eine 'für Siedlungen' Haltung umzuändern und die radikalere Forderung, alle Territorien zu verlassen, aufzugeben. Das Fehlen jeglicher Erwähnung von Genf oder einer Vereinbarung mit den Palästinensern in der neuen Kampagne wurde zurecht in den Medien und den politischen Kreisen als dünn verschleierte Unterstützung für einen unilateralen Rückzug, und sogar für Sharon selbst, interpretiert. Es war allen Betroffenen klar, dass die traditionelle Führung, zum Entsetzen von vielen Peace Now Aktivisten aus dem Zentrum, sich zur Rechten geneigt hatte und seinen eigenen Parteigenossen in der Genfer Formation den Rücken zugewandt hatte. Zugegeben,
es ist ziemlich passend, zu diesem Zeitpunkt, hier in Israel, dem Frieden und
den Palästinensern seinen Rücken hinzuwenden und internationale Realitäten zu
ignorieren. Es ist einfacher sich hintern den augenblicklichen Konsensus für
Sharon gegen siedleransässige Fanatiker in der breiten Öffentlichkeit zu
stellen. Aber da es schließlich doch, nach allem, was gesagt und getan wurde,
es wirklich einen palästinensischen Partner für bedeutsame Verhandlungen und
Frieden gibt, ist Sharons unilaterales Rückzugskonzept eine künstliche
Alternative, welche die wahren Möglichkeiten für das Hinbewegen auf eine
Erledigung sabotiert. |
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