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Thema:    [GushShalom] Eine unilaterale Illusion -- Gegenstimmen aus dem Mainstream heraus

Datum:    03.10.04 17:01:25 (MEZ) - Mitteleurop. Sommerzeit

Von:        otherisr@actcom.co.il

GUSH SHALOM - pob 3322, Tel-Aviv 61033 www.gush-shalom.org/

 

Internationale Veröffentlichung, 3. Oktober 2004

 

[Obwohl sie nicht auf den unmoralischen Charakter des Einsatzes von Raketen und Panzern gegen bewohnte Gebiete eingehen, drücken die heutigen Leitartikel in zwei der wichtigsten israelischen Tageszeitungen scharfe Kritik an Sharons Politik aus. Lest auch Avnerys Analyse von antisemitischen Mythen in eine Weltkrise, die als Kern den israelisch-palästinensischen Konflikt hat.]

 

[1] Sharon führte Israel in den einzigen Krieg, der keine Reaktion war auf eine reale      Bedrohung - Ofer Shelach im Leitartikel der heutigen Ausgabe der Yediot Aharonot

 

[2] Eine Operation ohne Sinn

     Im Gaza "muss die Regierung von Israel handeln, um die Situation zu beruhigen"

     Ha'aretz Leitartikel mit einem Zitat des Verteidigungsministers gegen die Regierungspolitik

 

[3] -> Eier in einem Korb

     Uri Avnery über alten und neuen Antisemitismus, Neo-Konservative und wie sich die Erdöl-Lobby hinter ihnen versteckt

 

                ~~~

 

[1] Sharon führte Israel in den einzigen Krieg, der keine Reaktion war auf eine reale Bedrohung - Ofer Shelach im Leitartikel der heutigen Ausgabe der Yediot Aharonot

 

Eine unilaterale Illusion

 

Yediot Aharonot Leitartikel, 3. Oktober 2004 - von Ofer Shelach

Übersetzung von Adam Keller

 

Der Staat von Israel hat immer schon Unilateralismus hervorgebracht - im Frieden und im Krieg, in vorwärtsweisender wie in rückschrittlicher Bewegung) als eine unvermeidbare Notwendigkeit, uns aufgezwungen durch die Absenz eines Partners (oder der Unwürdigkeit des existierenden Partners). In der Tat kann jedoch gesagt werden, dass Unilateralismus eine angeborene Natur ist. Schließlich ist unser nahezu offizielles Motto David Ben Gurions Lieblingsspruch "Es kommt nicht darauf an, was die Nichtjuden sagen, es kommt darauf an, was die Juden tun." Besonders, wenn die in Frage kommenden Nichtjuden Araber sind, ganz besonders, wenn es die Araber sind, die nebenan wohnen. Unilateralismus ist, in erster Linie, eine psychologische Bedingung. Die meisten von uns nehmen Israel wahr als "eine Villa im Dschungel", eine zivilisierte Insel inmitten eines Meeres von fanatischem und hinterwäldlerischen Fundamentalismus. Zu dieser Selbstwahrnehmung wir eine Frustration hinzugefügt wegen der Tatsache, dass Israels Macht nicht ausreicht, das Schicksal Israels zu bestimmen.

 

Der größte Prophet des Unilateralismus ist Ariel Sharon. Als Verteidigungsminister hat Sharon Israel in den einzigen Krieg geführt, der nicht eine Reaktion war auf etwas, was als wirkliche Gefahr wahrgenommen worden war, sondern ein unilateraler Versuch, mit Gewalt die innere Situation in einem arabischen Land zu verändern und die gesamte Region neu zu formen. Wie wir uns alle daran erinnern, endete dieser Versuch in einem totalen Fehlschlag.

 

Aber Sharon - und viele andere, einschließlich der meisten Premierminister seitdem - haben nicht die Lektion von 1982 gelernt. Wieder und wieder hören wir von unilateralen Schritten, welche die Grundprobleme von Israel lösen. Wieder und wieder wird uns gesagt, dass wir alles selbst entscheiden können, und dass der Feind keine andere Wahl habe als die Realität zu akzeptieren.

 

Dieses Denkmuster ist sogar noch dominanter in Israel seit Juli 2000. Die Vorstellung des "Nicht-Partners" hat nicht nur eine Erzählung geschaffen, in der wir Recht haben und die andere Seite die Verbrecher sind, sondern hat auch eine gesamte Weltsicht organisiert, die sich in Übereinstimmung findet mit diesem tief verwurzelten Unilateralismus in der israelischen Seele. Wenn es keinen Partner gibt, dann haben wir das Recht dazu - wir müssen es sogar - Dinge unilateral zu tun. Dies ist, was Ehud Barak nach dem Scheitern von Camp David gesagt hat. Dies ist, was Sharon seit mehr als einem Jahr sagt, seitdem er sich endgültig damit abgefunden hat mit dem Bau des Trennungszauns und den Gaza Disengagement Plan auf den Tisch legte.

 

Entsprechend dieses Charakteristikums seiner Persönlichkeit genauso wie unserer kollektiven Neigung beharrt Sharon auch darauf, das Gaza Disengagement als etwas zu vermarkten, für das "die Palästinenser heftig zu zahlen haben." Jedes Mal wenn irgendein Palästinenser etwas Gutes über das Disengagement zu sagen findet, wiederholt der PM, dass es nicht so ist, dass das Disengagement schlecht ist für die andere Seite und ihr durch unsere Macht aufgezwungen wird. Diese Vermarktungstaktik zeigt, wie sehr der PM von der Illusion des Unilateralismus eingefangen ist - und wie sehr er annimmt, dass wir alle von ihr eingefangen sind.

 

Aber die Realität hat ihre eigenen Pläne, mit allem gebührenden Respekt für die kollektive israelische Psychologie. In der vergangenen Woche hat uns die Realität wieder und wieder gezeigt, dass ein unilateraler Schritt in den meisten Fällen eine Illusion ist. Es ist eine Illusion, dass die Menschen auf der anderen Seite des Zauns ihre Meinungsverschiedenheiten beilegen würden wegen der Realität unserer erreichten Schöpfung. Es ist eine Illusion anzunehmen, dass die Hamas es uns möglich machen wird, die Entflechtung als einen Sieg zu präsentieren. Es scheint, dass es eine Illusion ist zu glauben, dass die Hamas sie uns überhaupt umsetzen lässt unter anderen Umständen als das wir unter Beschuss davon rennen.

 

Am Ende dieses Monats soll der politische und legislative Prozess der Entflechtung des Gaza seinen Höhepunkt erreicht haben. Zum Beginn des selben Monats ist die Armee tiefer einbezogen innerhalb des Gazas als je zuvor. Niemand hat bisher eine Lösung präsentiert für das Szenario, dass die Qassam Raketen über die Rückzugslinien hinweg verfolgen werden, und dass von der Armee verlangt werden wird, dass sie sofort in die Territorien zurückkehrt, die sie geräumt hat, und sogar noch tiefer. Niemand hat uns bisher erklärt, wie dieser Unilateralismus funktionieren soll. Aber nur ein paar wagen es, die neuen Kleider des Königs aufzureißen und zu sagen, dass ohne eine Vereinbarung mit den Palästinenser (was bedeutet mit Yassir Arafat, direkt oder indirekt), es weder einen Rückzug noch eine Entflechtung geben wird.

 

[2] Eine Operation ohne Sinn

     Im Gaza "muss die Regierung von Israel handeln, um die Situation zu beruhigen"

     Ha'aretz Leitartikel mit einem Zitat des Verteidigungsministers gegen die Regierungspolitik

 

"Der Einsatz von Panzern in dicht besiedelten Wohngebieten soll das Leben der Soldaten schützen. Aber die Erfahrung hat gezeigt, dass solch eine Taktik notwendigerweise die Zahl der Opfer unter der Zivilbevölkerung erhöht."

 

Eine Operation ohne Sinn

 

Ha'aretz Leitartikel, Sonntag, 3. Oktober 2004

http://www.haaretz.com/hasen/spages/484069.html

 

Hebräisch: http://www.haaretz.co.il/hasite/pages/ShArtPE.jhtml?itemNo=484083

 

                    ~~~

 

[3] Eier in einem Korb

     Uri Avnery über alten und neuen Antisemitismus, Neo-Konservative und wie sich die Erdöl-Lobby hinter ihnen versteckt

 

     was in einem Rat an die israelische Regierung gipfelt, "nicht all ihre

     Eier in einen einzigen Korb zu tun."

 

http://www.gush-shalom.org/archives/article324.html

 

Hebräisch: http://www.gush-shalom.org/archives/article324_heb.html

                ~~~

 

#

 

Ihr könnt immer noch spenden für die Familien, die in Rafah, Gaza Streifen obdachlos gemacht worden sind.

Die Kampagne wird koordiniert von Anat Matar, und die Spenden werden an den Menschenrechtsaktivisten Khalil Shahin in Rafah geschickt.

 

Spendet, indem ihr einen Scheck schickt, ausgestellt an Anat Matar, an:

Anat Matar,

33 Bernstein-Cohen Street,

Ramat Hasharon 47213, Israel

 - oder fragt sie, wie man per Banküberweisung spenden kann <matar@post.tau.ac.il> oder Telefon: 972-3-5408977

 

Bisherige Ergebnisse der Kampagne - in Hebräisch/Arabisch/Englisch unter:

http://taayush.tripod.com/new/20040914-rafah.html#vulgar

 

#

 

"Machen Sie die israelisch-palästinensischen Friedensgespräche zu einem Thema mit vorrangiger Priorität"

der "Offene Brief an den nächsten Präsidenten" von den amerikanischen Juden kann unterzeichnet online werden auf online http://openletter.btvshalom.org

 

#

 

Die Entführte Agenda - Das Dilemma der Friedensbewegung in Zeiten der Krise

Lest dazu mehr im Leitartikel der THE OTHER ISRAEL September Ausgabe:

http://otherisrael.home.igc.org/ed.html

 

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Wahrheit gegen Wahrheit - gegensätzliche Sichtweisen über die Geschichte des Konflikts in 101 Schritten

Hebräisch: http://www.gush-shalom.org/Docs/Truth_Heb.pdf

Englisch: http://www.gush-shalom.org/Docs/Truth_Eng.pdf

 

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Boykotliste von Siedlungsprodukten (neu aktualisiert)

Jetzt auch mit Liste der Siedlungen

Hebräisch: http://gush-shalom.org/Boycott/boycheb.htm

Englisch: http://gush-shalom.org/Boycott/boyceng.htm

 

--

http://www.gush-shalom.org/ (Hebräisch)

http://www.gush-shalom.org/english/index.html (Englisch)

http://www.gush-shalom.org/arabic/index.html (ausgewählte Artikel in Arabisch)

 

mit

\\ Fotos von kürzlichen Aktionen

\\ die wöchentliche Gush Shalom Anzeige

\\ die Kolumnen von Uri Avnery

\\ Geschichte von Gush Shalom & Aktionschronik

\\ Positionspapiere & Analysen (als "WORD Dokumente")

\\ und eine Menge mehr

 

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N.B.: Auf der Gush Shalom Website Links für:

Artikel und Dokumente in Deutsch, Französisch und Spanisch

 

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Um unsere hebräischen Presseerklärungen zu erhalten [meistens WORD Dokumente - nicht immer dieselben wie in Englisch] schreibt an:

gush-shalom-heb-request@mailman.gush-shalom.org

+ NB: schreibt das Wort "subscribe" in die Thema Zeile.

 

Archiv von Email Berichten:

https://mailman.gush-shalom.org/pipermail/gush-shalom/2004/thread.html#start

 

Wenn ihr Gush Shalom's Aktivitäten unterstützen wollt, dann könnt ihr einen Scheck oder Bargeld - gut eingewickelt in ein Extra-Papier - senden an:

Gush Shalom

pob 3322,

Tel-Aviv 61033

Israel

 

oder fragt nach Spenderorganisationen in eurem Land, welche Spenden zugunsten von Gush Shalom annehmen

 

Bitte gebt eure Email Adresse zur Bestätigung des Empfangs an. Weitere offizielle Empfangsbescheinigungen nur auf Anfrage.

 

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