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Thema:    [GushShalom] Hunderte protestieren in Tel-Aviv & mehr

Datum:    06.10.04 03:30:22 (MEZ) - Mitteleurop. Sommerzeit

Von:        otherisr@actcom.co.il

GUSH SHALOM - pob 3322, Tel-Aviv 61033 www.gush-shalom.org/

Der Premierminister muss sein Konzept aufgeben, dass es keinen Gesprächspartner gibt. Er muss diese "pragmatischen Kräfte" in der Behörde finden und mit ihnen reden unter den Auspizien und mit der Unterstützung der Vereinigten Staaten, Europa und Ägypten. Es macht keinen Sinn, die Armee in den Gaza Streifen zu schicken wann immer eine Qassam fällt. Es ist eine Illusion zu glauben, dass die Lösung für Gewalt der Einsatz von mehr Gewalt ist.

"Die Illusion des 'in die Tiefe gehenden Eindringens'" - 

ein Einwohner aus Sderot meldet sich zu Wort

 

[Die Verteidigung der Stadt Sderot ist der Hauptrechtfertigungsgrund, der von der Sharon Regierung für ihre tödliche Invasion des Gaza Streifens gegeben wird. Es scheint jedoch so, dass nicht alle Einwohner der Stadt im Negev sich glücklich fühlen über diese Rolle. Das Folgende ist eine Übersetzung des Artikels, der am 4. Oktober in der Ma'ariv veröffentlicht wurde, von Arele Cohen, Direktor des Zentrums für Entwicklungsstädte (ein Euphemismus für verarmte Orte mit großem Bedarf an Entwicklung). Cohen ist aus Sderot, selbst eine Entwicklungsstadt.]

 

In der letzten Woche schlug eine Qassam Rakete in der Nähe meines Hauses ein. Alle Fenster zerbarsten, und bis wir sie repariert bekommen haben, mussten wir in einem völlig offenem Haus leben. Mein Sohn hatte Schwierigkeiten einzuschlafen und nachdem er es endlich geschafft hatte, hörte ich ihn immer noch schluchzen.

 

Zunächst waren wir von den Qassams nicht so beeindruckt, da sie lange Zeit keinen verletzt haben, und wir betrachteten sie einfach als Hintergrundgeräusch. Aber die Dinge änderten sich nachdem das Kind Afik Ochayon und ein Erwachsener getötet worden waren. Wir spürten mehr und mehr die Angst, besonders in den letzten zwei Wochen, als die Qassams jeden Tag einschlugen, Häuser beschädigt wurden und Menschen von den Granatsplittern verletzt wurden.

 

Die Angst wuchs seit dem Laubhüttenfest Feiertag als zwei Kinder durch eine Qassam ermordet wurden. Wir fühlten uns nicht nur verängstigt sondern auch verärgert darüber, dass die Regierung uns keinen Schutz geboten hat. Schließlich sind wir nicht eine Siedlung oder ein Außenposten sondern eine richtige israelische Stadt.

 

Seitdem die ersten Qassams in Sderot einschlugen ist die Armee mehrere Male in das Gebiet einrückt und wieder abgezogen, aus dem sie abgefeuert worden waren. Ein Teil ihrer Aktivitäten dort bestand darin, das Gebiet "freizulegen" durch die Zerstörung von Häusern und die Entwurzelung von Orangenhainen. So hat auch dieses Mal das Sicherheitskabinett die Armee angewiesen die "Operation Tage der Reue" zu starten, in deren Verlauf große Kräfte nach Beit-Hanoun und Jabaliya geschickt wurden mit der Absicht, das Abfeuern von Qassams zu verhindern durch die Übernahme des Territoriums von der Reichweite der Qassams. Aber merkwürdigerweise fielen die jüngsten Qassams als all diese Kräfte dort, tief im Gaza Streifen, bereits da waren. Somit wurde das Konzept, dass die Antwort auf die Qassams der Einsatz von Stärke auf unserer Seite ist, in all ihrer Nacktheit entblößt. Es wird klar, dass die militärische Operation keine Antwort darbietet.

 

Ich bin kein Militärexperte und ich kann nicht auf eine konkrete Lösung hinweisen, aber klar ist, dass das Einrücken der Armee in den Gaza Streifen vorübergehend ist, und es gibt einen völligen Konsens innerhalb der israelischen Öffentlichkeit, dass es keine Rückkehr der Herrschaftstagen über den Gaza gibt. So, was wird geschehen, wenn die Armee das Territorium verlässt, das sie jetzt eingenommen hat? Das Szenario ist deutlich genug: die Qassams werden zunehmen und mit ihnen unsere Ängste. So, was ist dann die wirkliche Lösung? Die Dächer in Sderot verstärken, wie es von Minister Lapid vorgeschlagen worden ist? Oder sollten wir nach tiefgehenderen Lösungen suchen?

 

In der jüngsten Zeit gibt es mehr und mehr Risse in dem Konzept, dass "wir keinen Partner haben". Erstens gibt es viel Reden über die Tatsache, dass es tatsächlich Übereinkünfte mit Leuten in der Palästinensischen Behörde gab bezüglich der Verhinderung des Abfeuerns von Qassams auf Sderot, und dass diese Übereinkünfte aus verschiedenen Gründen zusammenbrachen. Zweitens hören wir, wie der Verteidigungsminister der Presse sagt, dass wohingegen Arafat kein Partner sei, wir in der Zukunft mit den pragmatischen Kräften in der Führung der Palästinensischen Behörde reden werden. Warum in der Zukunft? Warum fünf oder zehn Jahre warten? Gibt es keinen, mit dem wir bereits heute reden können um das Töten von Zivilisten und die Zerstörung von Häusern zu verhindern?

 

Der Premierminister muss sein Konzept aufgeben, dass es keinen Gesprächspartner gibt. Er muss diese "pragmatischen Kräfte" in der Behörde finden und mit ihnen reden unter den Auspizien und mit der Unterstützung der Vereinigten Staaten, Europa und Ägypten. Es macht keinen Sinn, die Armee in den Gaza Streifen zu schicken wann immer eine Qassam fällt. Es ist eine Illusion zu glauben, dass die Lösung für Gewalt der Einsatz von mehr Gewalt ist.

 

 

 

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