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"Wir betreten nun eine Periode der Debatte und Auseinandersetzung. Wir werden viele Demonstrationen von vielen Menschen und Gruppen haben, die etwas Dringendes zu sagen haben, und ich kümmere mich nicht darum, ob sie rechts oder links sind, gegen die Errichtung des Zauns oder gegen die Räumung der Siedlungen protestieren. Aus der Vorgehensweise der Strafverfolgung in diesem Fall, glaube ich, werden wir es erleben, dass sie alle zu Dutzenden in diesen Gerichtssaal hineinmarschieren werden. Es kann sein, dass wir einen besonderen Gerichtshof für Demonstranten einrichten müssen, wie es bereits einen speziellen Gerichtshof für die Abschiebung von Migrantenarbeitern gibt. Wenn es das ist, was Sie wollen, schön! Nun, ich gebe der Strafverfolgung eine Woche Bedenkzeit, wollen sie wirklich in diesem Fall einen Prozess beantragen. Wenn sie es immer noch wollen werde ich dann meine Entscheidung über den Antrag der Verteidigung mit Bezug auf das Naturrecht bekannt geben. Bis dahin kann jeder nach Hause gehen." Der Tag der Anarchisten vor Gericht (Adam Keller) Vierundzwanzig Stunden später
bekommt das verschlafene Amtsgericht in Tel-Aviv einen Hauch der Wild West Bank
Atmosphäre als elf der Anarchists Against Walls auftraten, um auf eine Reihe
von Beschuldigungen zu erwidern, die vom Abhalten einer illegalen Demonstration
über die Behinderung von Polizisten und den Angriff auf Polizisten bis zur
"Verschandelung von Grundstückseigentum" (d.h., das Malen von
Graffiti) reichten. Die Anklagen bezogen sich alle auf ein einziges Ereignis,
das weniger als zehn Minuten dauerte, am Nachmittag des 25. Februars dieses
Jahres - dem Tag, an dem der Internationale Gerichtshof in Den Haag damit
begann, die Errichtung der Separationsmauer durch die Sharon Regierung, die sich
durch palästinensische Dörfer und Städte schneidet, zu erörtern. Die
Anarchisten hatten geplant, diesen Tag durch eine gemeinsame Demonstration mit
den Einwohnern eines Dorfes, das den größten Teil seiner Ländereien verloren
hat wegen der/des Mauer/Zauns zu markieren. Aber die Armee und Polizei hatte
Wind bekommen von diesen Plänen, und die Gruppe wurde an der West Bank Grenze
abgefangen und gezwungen umzukehren - woraufhin sie direkt zum
Verteidigungsministerium in Tel-Aviv fuhren, sich vor seinen Toren auf die Straße
setzten und sich unmittelbar die Polizei auf sie stürzte. Einer von ihnen wurde
bis zum Punkt der Bewusstlosigkeit geschlagen, ein anderer braucht klinische
Behandlung, und insgesamt dreizehn verbrachten die Nacht in Gewahrsam. Am
folgenden Morgen bat die Polizei den diensthabenden Richter, sie unter
Hausarrest zu stellen "bis das Haager Gericht seine Erörterungen
beendet", aber der Diensthabende Richter verwarf diese Idee und gewährte
ihnen Freilassung auf Kaution. Dies war der Zeitpunkt, an dem die Polizei und
der Staatsanwalt beschlossen, gegen sie Anklage zu erheben - was zu der heutigen
ziemlich grotesken Affäre geführt hat. Mit einer Vielfalt von
Tattoos und unkonventionellen Frisuren und begleitet von einigen
sympathisierenden, bekannten Künstlern und Schauspielern standen die
angeklagten jungen Männer und Frauen im Foyer des Gerichtsgebäudes - wobei sie
gegenüber den vielen Medienvertretern ihre T-Shirts mit dem Text "Uns kann
man nicht zum Schweigen bringen" zur Schau stellten und ihre Münder mit
streifen schwarzen Klebebandes bedeckten. Das reichte aus für die
Gerichtsordner in Aktion zu treten und zu rufen "Kein Demonstrieren
innerhalb des Gerichtsgebäudes" und die anstößigen Aktivisten in einen
leeren Gerichtssaal zu schieben, wo man sie dazu brachte, die anstößigen
Shirts abzulegen (von denen die TV Kameras sowieso bereits genug mitbekommen
hatten). Es dauert eine Weile bevor sie es schließlich schafften, in den
Gerichtssaal von Richter Muki Landman zu gelangen und sich auf der überfüllten
Anklagebank niederzulassen, wobei die Zuschauerbänke gleichsam mit ihren Anhängern
gefüllt waren. Die Verteidigerin Gabi Lasky
begann damit, das Gericht zu bitten, die Anklagen unmittelbar niederzuschlagen,
auf der Grundlage des Natürlichen Rechts (oder "estoppel" im
Juristenjargon). Sie begann mit einer langen Ausführung über die Mauer und die
Art, mit der sie das tägliche Leben von Hunderttausenden von Palästinensern
zerstört, wobei sie ausführlich aus den Berichten von verschiedenen
Menschenrechtsorganisationen zitierte, die sie auch dem Gericht als Zeugen
benannte. Viele Richter hätten all dies als irrelevant zurückgewiesen -
Landman tat es nicht. RÄ. Laski nahm besonderen Bezug auf die Einwohner des
sogenannten "Saum Gebiets", wo die Angeklagten ursprünglich
vorhatten, am 25 Februar zu demonstrieren. "Das Saum Gebiet ist zu einem
militärischen Sperrgebiet erklärt worden, dessen Betreten verboten ist. Selbst
wenn Sie dort geboren sind und Ihre Eltern vor Ihnen, und selbst wenn Sie dort
Ihr ganzes Leben gewohnt haben, müssen Sie eine Sondererlaubnis bei der Armee
beantragen um in Ihrem eigenen Haus bleiben und auf Ihrem eigenen Feld arbeiten
zu dürfen. Aber mit derselben Militärverordnung sind Staatsbürger von Israel
davon ausgenommen und können das Saum Gebiet ohne Benötigung einer Genehmigung
betreten. Und nicht nur israelische Staatsbürger sondern auch 'diejenigen, die
das Anrecht auf eine israelische Staatsbürgerschaft aufgrund des Gesetzes der Rückkehr
besitzen', das heißt - Juden. Ja, ein Jude aus Brooklyn oder aus Timbuktu könnte
auf dem Ben Gurion Airport landen, in das Saum Gebiet gehen und dort so lange
bleiben, wie er möchte, ohne dass er eine Erlaubnis benötigte - aber ein Palästinenser,
der dort geboren ist, braucht eine Genehmigung der Armee, um in seinem eigen
Haus zu wohnen! Es war diese Art von eklatanter Ungerechtigkeit, gegen die die
Angeklagten versucht haben zu protestieren, zunächst im Saum Gebiet selbst,
dann als dies abgelehnt wurde vor dem Verteidigungsministerium, aus dem diese
infame Militärverordnung stammte. Sie handelten entsprechend dem Kategorischen
Imperativ des großen Philosophen Immanuel Kant, wonach jeder Mensch so handeln
muss als ob sein oder ihr Leben das moralische Beispiel für die gesamte Welt
setzt. Sie handelten entsprechend dem Talmud, der feststellt, dass ein Mensch
nicht als wirklich rechtschaffend angesehen würde, selbst wenn er allen Geboten
Gottes folgen würde, wenn er es versäumt hätte, etwas gegen die
Ungerechtigkeit, der er sich bewusst ist, zu unternehmen. Auf der Grundlage des
Naturrechts sollte der Fall gegen sie niedergeschlagen werden."
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