Ostermarsch-Auftakt 23.04.2011, Duisburg

 

Eberhard Przyrembel /Pax Christi

Es gilt das gesprochene Wort

 

Kurzer Redebeitrag zum Unsinn des Krieges

 

Zum Hintergrund meiner Stellungnahme: Mein Vater war 4 Jahre im Krieg und ich war 9 Jahre alt, als er 1944 getötet wurde. Weil ich vaterlos aufgewachsen bin, betrachte ich den „Krieg“ als Zerstörung der Familie. „Krieg“ ist für mich nicht der „Vater aller Dinge“, sondern der Tod der Menschlichkeit. Deshalb muss der „Krieg“ geächtet und das Militär als politisches Instrument abgeschafft werden.

 

Die Situation Deutschlands und der Bundeswehr heute: Unter dem „Schlag“-Wort (das ist wörtlich zu nehmen) Stärkung der „Europäischen Sicherheits- und Vedrteidigungspolitik“ hat sich die Europäische Union zu einer weltweit intervgentionsfähigen Militärmacht entwifdckelt (Stichwort „Eurokorps“). In diesem Rahmen wandelte sich die Bundeswehr von Verteidigungsstreitkräften zu einer Angriffsarmee. Die Begründung für diese „Verwandlung“? Die sogenannte „Normalisierung der deutschen Außenpolitik. (sf für das Weitere: Jürgen Rose: Zwischen Kolateralschäden und neuen Helden – Rede zum Volkstrauertag in Mannheim, 14.11.2010 in FORUM PAZIFISMUS 27/28 (Nr. 3/4 2010).

 

In den Gründertagen der Bundesrepublik Deutschland hatte Franz-Josef Strauß den Satz geprägt: „dass jedem Deutschen, sollte er jemals wieder ein Gewehr anfassen, der Arm verdorren möge“. Keine 10 Jahre später dröhnte im Land wieder der Marschtritt deutscher Soldatenstiefel, denn die Wiederbewaffnung Westdeutschlands war gegen den Widerstand großer Bevölkerungsgruppenhj gelungen. Obwohl sich später Deutschland im „2+4-Vertrag“ verpflichtet hatte, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen sollte, entwickelten die „Vordenker“ bei der Bundeswehr, weil der Verteidigungsauftrag obsolet geworden war (Stichwort: „Verteidigungspolitische Richtlinien“) neue Einsatzaufgaben für deutsche Soldaten, d.h. militärische Einsätze – von jetzt ab „humanitäre Interventionen“ genannt – die durch völkerrechtliche Mandate entweder keine hinreichende oder gar keine Rechtsgrundlage haben.

 

Die in der Charta der Vereinten Nationen kodifizierten Einschränkungen des Rechts zur militärischen Gewaltanwendung werden immer weiter ausgehöhlt. In besorgniserregender Weise entwickelt sich ein global ausufernder militärischer Interventionnismus.

 

Mit Tucholsky gesagt: Uniformierte Handwerker des Krieges sind auch heute wieder bereit, ihr Leben und ihre Person für einen solchen Quark, wie es nationalistische Interessen eines Staate sind, aufs Spiel zu setzen!

 

„Normalisierung“? Deutschland beansprucht keinen „Sonderstatus“ mehr, sondern übernimmt „internationale Verantwortung“. „Man ist wieder wer“ im Kreise der Militaristen – als ob das politische Gewicht auf der Weltbühne von Aufrühstung und Militär abhinge!

 

Ein paar Zitate von Eugen Drewermann, der seit mehr als 20 Jahren gegen den Krieg predigt: Wir führen Krieg im Zeichen von Gerechtigkeit, Fortschritt, Freiheit und Menschlichkeit und sorgen tatsächlich für das Gegenteil. Wir führen Krieg gegen den Terrorismus – und der Terror verbreitet sich weiter. Wir bekehren vermeintlich Staaten zur Demokratie – und hinterlassen Zwang und Zerstörung. Ein Irrsinn, den jeder erkennen kann.

 

Die Militarisierung der deutschen Außenpolitik ist von Grund auf verlogen, weil sie scheinbar humanitär begründet wird, aber tatsächlich kapitalinteressiert die Welt in ein einziges globalisiertes Schlachtfeld verwandelt.

 

Ich höre sagen: Es ist unverantwortlich, den Krieg abschaffen zu wollen, weil wir das Militär immer noch brauchen aus Gründen der Sicherheit. Doch das Militär ist die permanente Unsicherheit. Es schützt nicht Menschlichkeit, sondern ist selber Unmenschlichkeit.

 

(Zum Folgenden cf Norman Paech im ND, 22.03.2011) Menschenrechte können auch in Libyen nicht durch Krieg gesichert, garantiert und auch nicht wiederhergextellt werden. Die wahren Kriegsmotive: reiche Ölvorkommmen; Abwehr der Afrikaflüchtlinge … denn in Saudiarabien sehen wir eine Menschenunrechtssituation, sehr ähnlich der in Libyen. Inzwischen heißt es sogar bei der NATO: Der Libyenkonflikt ist mit militärischen Mitteln nicht lösbar!

 

In Afghanistan kostet der Krieg die USA in knapp 10 Jahren mehr als 300 Milliarden (!) Dollar. Wie hätte man die 15 Millionen Afghanen in ihrer Entwicklung mit dieser Eisensumme fördern können!